Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ge der

orkna inaus nicht ſchon Ver⸗ ahren d das Sonne

et den Kran

n und f den e vor lang , um

nt der

feier⸗ enden, zander horch 1 n dem

er der

43

Wird Gott ihr Gebet erhören? Wird ſeine Hand ſich Derer erbarmen, von denen die Menſchen erbarmunglos ſich abgewandt haben? Tiefe, heilige Stille herrſcht ringsum, die Gedanken und Hoffnun⸗ gen ſind bei Gott, ihn ſuchen die Blicke, zu ihm flüſtern die Lippen!

Wird Gott ihr Gebet erhören? Wird er ihnen Hülſe ſenden in ihrer Verlaſſenheit?—

Tiefe, heilige Stille herrſcht ringsum.

Auf einmal wird dieſe Stille durch ein Geräuſch unterbrochen; es iſt das Klirren der Riegel, welche das eiſerne Thor der Judenſtadt ſchließen, auf einmal thun die Thorflügel ſich auf, und eine hohe Män⸗ nergeſtalt erſcheint in denſelben. Einen Moment bleibt der Fremde ſtehen, betroffen von dieſem Anblick der Hingelagerten und Betenden, dann wendet er ſich rückwärts und winkt abwehrend mit der Hand eini⸗ gen Herren, die hinter ihm ſtehen. Dieſe weichen zurück, Er aber ſchreitet vorwärts, mitten hinein in die Judenſtadt, deren Thor jetzt weit geöffnet bleibt. Er ſchreitet vorwärts, die Straße hinauf; die Betenden, an denen er vorüber kommt, neigen den Blick vom Himmel hernieder auf ſein Antlitz, und in ihrem Innern fragen ſie verwundert ſich ſelbſt: Iſt das der Engel, welchen Gott uns ſendet, daß er uns Hülfe bringe? Sein Antlitz iſt ſo voll himmliſcher Güte und Liebe, es leuchtet ſo viel göttliches Erbarmen aus ſeinen großen blauen Augen! — Ja, es iſt ein Engel Gottes, denn ſeht nur, unſer Jammer rührt ihn, die Menſchen haben kein Mitleid mit uns gehabt, er iſt alſo Kei⸗ ner von ihnen, er iſt ein Engel Gottes, denn er hat Mitleid mit uns! Seht nur, er neigt ſich nieder zu den Kranken dort, er fürchtet keine Anſteckung, ihn ſchaudert nicht vor den Verzerrten und Sterbenden, dort ſchaut er ſie an, dieſe Familie der Bettler, welche Alle die grau⸗ ſame Hungerkrankheit ſchon erfaßt hat. Er bleibt neben ihnen ſtehen, ſeine Geſtalt ſcheint zu ſchwanken unter der Laſt des Entſetzens, und von Mitleid ſchaudernd, wendet er ſeine großen blauen Augen empor zum Himmel, und ſeht nur, oh ſeht! in dieſen Augen glänzen Thränen! Nein, das iſt kein Menſch, kein Chriſt, denn ſeht nur, die Thränen rinnen über ſein Antlitz hin! Er weint über das Leid der armen Juden!

Nun, mit der flachen Haud trocknet er ſich die Augen, und ſchreitet die Straße weiter hinauf. Wo er vorübergekommen, da haben ſich

.—