Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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Joſephi. Es iſt wie ein einziger, großer Kirchhof, auf dem zur Geiſter⸗ ſtunde bleiche Schattengeſtalten herumwandeln.

Sind Sie nur hieher gekommen, mein Herr, um mir das zu ſagen? rief der Freiherr mit gerunzelter Stirn. Die Mühe hätten Sie Sich ſparen können, denn ich weiß das!

Nein, ich bin hieher gekommen, um Ihnen meine Hülfe anzubieten, ſagte der Baron freundlich. Dieſe furchtbare Noth hier hat mein Herz gerührt. Ihre Bauern ſterben vor Hunger, Ihre Felder ſind unbebaut, weil die Bauern kein Korn zur Ausſaat haben. Nicht aus Mitleid mit dem Bauer, ſondern aus Mitleid mit Ihnen will ich Ihnen helfen. Die Geſundheit des Bauern iſt der Reichthum des Edelmannes. Herr Freiherr von Weiſach, Sie haben Mangel an Korn, die Hungersnoth heult vor den Hütten Ihrer Bauern, ich habe Ueberfluß an Korn und meine Bauern ſind ſchon todt. Ih biete Ihnen alſo mein Korn an.

Das heißt, Sie wollen es mir verkaufen? fragte der Freiherr mit einem feinen Lächeln.

Ja, das will ich, und wenn Sie wollen, ſogleich! Ich weiß wohl, daß ich vielleicht das Doppelte verdienen könnte, wenn ich mein Korn noch vierzehn Tage zurückhielte, bis die Noth noch höher geſtiegen iſt, aber ich habe ein Herz, das ſehr zum Mitleid geneigt iſt, und alſo, Herr von Weiſach, ich biete Ihnen mein Korn an!

Und wie hoch der Strich? fragte der Freiherr!

Zwanzig Gulden der Strich! Sie werden finden, daß das ein ſehr mäßiger Preis iſt.

Ja, wahrhaftig ein ſehr mäßiger Preis! rief der Freiherr mit ei⸗ nem lauten Lachen, in das die übrigen Herren fröhlich mit einſtimmten. Und Sie meinen, ich ſollte Ihr Korn kaufen, und für meine Bauern Brot daraus zu backen? Aber ein Brot von ſolchem Korn wäre ja mit Gold aufzuwiegen, und meine Bauern beſitzen kein Gold

Oh, Sie ſind ein großmüthiger Edelmann, und würden Jhten Bauern gewiß gern das Brot umſonſt bewilligen!

Haben Sie Selber das gethan? rief der Freiherr höhniſch. Sagten Sie uns nicht, daß Ihre Bauern verhungert ſind, während doch Ihre Kornböden wohl gefüllt waren? Nun denn, mein Herr Baron, ich be⸗ darf Ihres Korns nicht, denn auch ich leide keinen Mangel daran,