Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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I.

Hungersnoth in Böhmen.

Der Nothſchrei des zur Verzweiflung getriebenen Böhmenvolkes war endlich hingedrungen bis nach Wien, und hatte das Ohr und das Herz des Kaiſers getroffen! Joſeph war nach Böhmen geeilt, um ſeinem armen, von Hunger und Krankheit verwüſteten Volk Hülfe und Linde⸗ rung zu bringen.

Dieſe Nachricht war der erſte Troſt, welcher den verzweifelnden, bis auf's Aeußerſte getriebenen Böhmen inmitten ihrer Trübſal und ihres Jammers wieder eine Hoffnung gab! Der Kaiſer ſelbſt wollte nach Böhmen kommen, und wenn er ihre Noth geſehen, dann mußte ſein großmüthiges Herz auf Abhülfe ſinnen!.

Groß und fürchterlich allerdings war die Noth. Die Mißerndten zweier Jahre hatten ganz Deutſchland in Sorge und Trübſal gebracht, aber ſie hatten vor allen Dingen maßloſes Elend über Böhmen und Mähren gehäuft, weil dort zu dem Mißwachſe des Korns ſich noch das Elend fürchterlicher Ueberſchwemmungen geſellte, die alle Aecker und Gärten, und außer dem Korn auch alle Gemüſe und Früchte zer⸗ ſtört hatten.

Die Aecker glichen daher nur großen wüſten Todtenäckern, und aus den Hütten der Bauern erſchallte nur Jammern und Klagegeſchrei, in den Ställen fehlte das Vieh, wie in den Scheuern das Korn, un⸗ benutzt ſtand der Pflug in den offenen Wagenſchauern, denn Niemand beſtellte den Acker mehr, es fehlte an Saatkorn, es fehlte an Vieh, um den Pflug zu ziehen, an Knechten und Mägden, um das Land zu be⸗ ſtellen, denn man hatte kein Futter, um das Vieh zu nähren, kein Geld, um hülfreiche Hände zu bezahlen. Jeder war einſam in ſeinem Elend,

Kaiſer Joſeph. 2. Abth. II. 1 4