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nes war, der ſein Vaterland verrieth und ſich zum Sclaven unſerer Feinde machte!
Aber dieſer Mann war ein König, ſagte die Gräfin achſelzuckend. Stanislaus war als Liebhaber ſehr hinreißend und verführeriſch, und die ſchöne Kannizka liebte ihn wirklich ſo leidenſchaftlich, daß ſie un⸗ tröſtlich war, als die Liebe des Königs endlich, wie das ja nicht anders ſein kann, zu erkalten anfing.
Ah, ſie hat alſo ihre Strafe erhalten, rief Gräfin Wielopolska faſt freudig, der König hat ſie verlaſſen!
Nicht doch, meine liebe Anna! Du wirſt doch Deiner Schwägerin nicht eine ſolche bétise zutrauen, die Rolle einer Dido zu übernehmen! Sie beſtrafte den Verbrecher, faſt noch ehe er geſündigt hatte. Da ſie ahnte, daß der König vielleicht eines Tages ſie verlaſſen könnte, kam ſie ihm zuvor und verließ ihn, und fing eine Liaiſon an mit dem Fürſten Repnin!
Mit Repnin?rief Gräfin Anna entſetzt. Mit dem Geſandten der Kaiſerin von Rußland?
Mit demſelben, nickte Gräfin Zamoiska. Ah, mein Herz, Du hätteſt die Verzweiflung des Königs ſehen ſollen, als er dieſen Verrath ſeiner Geliebten erfuhr, und allerdings, es war ein wenig boshaft von der Gräfin, dem König gerade den Mann zum Nachfolger zu geben, welcher, wie man ſagt, eigentlich auf dem Thron ſein Nachfolger, und der ei⸗ gentliche König von Polen iſt. Aber hinreißend liebenswürdig war der König in ſeinem Liebesſchmerz. Er verſuchte Alles, ſich mit der Gräfin zu verſöhnen, er belagerte wie ein Troubadour ihr Haus mit Serenaden, er ſchrieb ihr die zärtlichſten Briefe, er beſchwor ſie um eine Zuſam⸗ menkunft. Alles vergeblich! Gräfin Kannizka blieb unerbittlich, ſie ver⸗ ſchloß ihm ihre Thür, und hat jetzt noch eine erklärte Liaiſon mit Repnin! Der König war wirklich lange Zeit untröſtlich!*) Er gab Bälle und Feſte, um ſich zu zerſtreuen, er ſpielte ganze Nächte hindurch, er ver⸗ ſäumte keinen Abend das Theater, und gab Maskenbälle und Schlitten⸗ partieen, aber man ſah es ihm doch an, daß er innerlich traurig und voll Verzweiflung war, und wäre es der ſchönen Sängerin Tiſſona
*) Wraxall Memoirs of the Court of Vienna ete. Vol. II. p. 96.


