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vergeſſen, daß er mir überhaupt ſein Kommen verſprochen! Mein Gott, mein Gott, er liebt mich nicht! Ich werde niemals Gewalt über ihn haben. Er wird Polen nicht retten, denn ſein Herz iſt kalt!— Und doch, murmelte ſie nach einer Pauſe, doch ruht ſein Blick oft mit ſo glühendem Feuer auf mir, doch fühle ich oft das Zittern ſeiner Hand, wenn er die meine drückt, doch ſagt mir ſein tägliches Kommen, daß er es liebt bei mir zu ſein. Ach, und ſeine Nähe läßt mich zuweilen ſogar vergeſſen, was ich will, vergeſſen des erſonnenen Plaus, und ganz Hingebung, ganz Gefühl— nein, nein, unterbrach ſie ſich ſelbſt, ich darf das nicht denken, ich will es nicht! Meinem Vaterland iſt mein Leben und mein Herz geweiht, keine andern Gefühle, keine andern Wünſche dürfen in demſelben wohnen! Hinweg mit Euch, Ihr ſchwär⸗ meriſchen Mädchengedanken, ich—
Die Gräfin unterbrach ſich und horchte, denn ſo eben hielt ein Wagen vor ihrer Thür an, und ſie hörte die Glocke der äußern Thür ſchellen.
Er kommt, er kommt! flüſterte ſie athemlos, und ihre glühenden Blicke wandten ſich der Thür zu. Dieſe that ſich jetzt auf, und auf der Schwelle erſchien eine junge Dame von bewunderungswürdiger Schönheit, in glänzendſter Toilette, Hals und Arme funkelnd von Bril⸗ lanten. Gräfin Zamoiska! rief die, Gräfin überraſcht, indem ſie der Dame entgegeneilte.
Und weßhalb ein ſo kalter, ceremonieller Empfang, meine theure Anna? fragte die Dame mit einem fröhlichen Lachen. Bin ich nicht mehr kurzweg Deine kleine Luſchinka, wie Du mich in der Penſion nannteſt, und haben wir uns dort nicht ewige Liebe und ewige Treue geſchworen?
Ja, wir thaten es, ſagte Gräfin Wielopolska ernſt, aber ſeitdem ſind ſechs Jahre vergangen, und welche fürchterlichen ſechs Jahre!
Nun, ich weiß nicht, rief die Dame, indem ſie zum Spiegel trat und einen lächelnden Liebesblick auf ihr eigenes Bild warf, ich weiß
nicht, weshalb Du dieſe ſechs Jahre ſo fürchterlich findeſt! Es waren die ſechs Blüthenjahre unſerer Schönheit, und ich mache Dir mein Kompli⸗
ment, Du warſt, als wir die Penſion verließen, um uns Beide zu ver⸗ mählen, nicht ſchöner, als Du es heute biſt. Ob ich mich verändert habe? Nun, Du ſiehſt, mein Herz iſt wenigſtens unverändert geblieben,


