Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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der zu ſchauen, und allerdings, es hatte ſeine Richtigkeit! Ich ſah da in Einem Raum einen Hund und eine Katze und ſie fraßen in gemüth⸗ lichſter Seelenruhe zuſammen aus Einer Schüſſel ihr Mittagsmahl! In einem andern Raum ſah ich einen Fuchs und bei ihm einen großen kalekutiſchen Hahn, der ſich in aller Gemüthlichkeit auf dem Rücken des Fuchſes ſchaukelte, und luſtig ſeine Weisheit auskrähte. Nur hatte es mit dieſen Freundſchaften eine eigene Bewandtniß! Für einen Louisd'or verrieth mir der kluge Mann, der die Thiere gezähmt, das Geheimniß dieſer Freundſchaft. Er hatte dem Hund die Zähne ausgebrochen, und der Katze die Krallen verſchnitten, ſie liebten ſich alſo, weil ſie keine Macht hatten, ſich ihren Haß zu bezeigen, und was das andere Liebes⸗ paar anbetrifft, ſo hatte der kluge Mann die Füße des Hahns mit fei⸗ nen Drathbändern umwickelt, und ihn mit dieſen um den Leib des Fuchſes feſtgebunden, und ſo feſt und geſchickt, daß es dem Fuchs un⸗ möglich war, ſich den Hahn zu erſchnappen, ſondern daß dieſer in voll⸗ kommenſter Sicherheit auf ſeinem Rücken thronte.

Ah, das iſt die geheime Geſchichte ſehr vieler Freundſchaften und Bündniſſe, welche Ew. Durchlaucht da erzählen, rief der Baron lachend. Es giebt auch unter den Menſchen gar viel Füchſe, welche, von einem Klügern überliſtet, ihren Hahn auf dem Rücken tragen, und ihn nicht auffreſſen können, weil ſie gezwungen ſind, ihn leben zu laſſen, und anſcheinend zu lieben.

Meine Geſchichte iſt noch nicht zu Ende, Sie Schwätzer Sie, ſagte Kaunitz ernſt. Hören Sie, wie es mit der Freundſchaft der Naturfeinde endete! Eines Morgens lagen der Hund und die Katze todt in ihrem Raum, und in dem Käfig des Fuchſes war von dem Hahn nichts wei⸗ ter übrig geblieben, als einige Federn, aber der Fuchs lag auch blutend und wimmernd in ſeinem Käfig; die Zeit, die allmächtige Zeit, die Herrin und Meiſterin unſerer Aller, die Zeit hatte die unnatürliche Freundſchaft wieder in den natürlichen Haß umgewandelt, und die Weisheit des Thierbändigers überliſtet. Dem Hunde waren die Zähne, der Katze die Krallen wieder gewachſen, und eines Tages waren ſie ſich ihrer wieder⸗ erwachten Kraft bewußt geworden, und mit der Gluth ihrer natürlichen Feindſchaft hatten ſie einander erwürgt. Der Fuchs aber hatte endlich das Hinderniß entdeckt, welches ſeinen Feind auf ſeinem Rücken feſſelte,