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geweſen, erſt die Herzen deutſch zu machen, und dann an die Zungen zu denken. Aber wenn er ſo fortfährt, wie er angefangen, wird er grade das Gegentheil von Dem, was er beabſichtigt, erreichen, wird er die verſchiedenen Völkerſchaften, die unter dem Scepter des Hauſes Habsburg ſich vereinigen, zum ſchroffen Bewußtſein ihrer Nationalität zurückführen, und das Oeſterreich, welches wir uns bemühten, einig und durch ſeine Einigkeit groß zu machen, es wird unter Joſephs Händen wieder zerſtückeln und in lauter einzelnen Provinzen zerfallen, die, ſo oft ſie deutſch ſprechen müſſen, ſich mit grimmigem Zorn erinnern werden, daß ihre Mutterſprache eine andere iſt, und daß ſie Deutſche ſind nicht durch ihre Geburt, ſondern durch den Zwang! Wenn man Völker zwingen will, ihre Mutterſprache zu vergeſſen, und eine andere Sprache zu lernen, ſo kann das nur ſehr allmälig, ſehr langſam geſchehen, es wird eines ſehr geſchickten, beſonnenen Lehrmeiſters dazu bedürfen. Der junge Herr Kaiſer meint aber, daß ſein guter und edler Wille genügt, um die Völker an die Zweckmäßigkeit ſeiner Mittel, dieſen Willen zur That zu machen, glauben zu laſſen, er glaubt, daß, wenn man das Rechte und Nützliche bezweckt, man es gleich im Triumphzug durch die große Pforte muß einziehen laſſen in das Haus. Das aber iſt ein großer und ſchwerer Irrthum, bei deſſen Ausführung gar leicht das ganze Haus in Trümmer zerfallen und zuſammenſtürzen könnte. Gute und nützliche Reformen müſſen ſehr langſam und vorſichtig durch Hinter⸗ thüren und. auf Schleichwegen eingeführt werden, denn die Völker ſind wie die Kinder, das Neue, was ſie nicht kennen, erregt ihnen Grauſen und Entſetzen, und ſie ſchrecken davor zurück, wie vor einem unheimlichen Geſpenſt. Man muß es ihnen alſo verhüllen, und nur ganz allmälig die Schleier lüften. Aber der Kaiſer Joſeph iſt noch ſehr jung, daß er noch an die Weisheit und das Gerechtigkeitsgefühl der Völker glaubt. Er will daher ganz offen und ehrlich mit ihnen zu Werke gehen, und die kleinen unmündigen Kinder behandeln, als wenn ſie große erwachſene Männer wären, die man ſehr füglich in Freiheit und Ungebundenheit dahin gehen laſſen kann. Er will deshalb die Cenſur abſchaffen, weil
er vermeint, daß kluge Männer das Recht haben, jedes Buch zu leſen,
und jede Geiſtesrichtung zu prüfen. Das wäre ſchon recht, wenn die Völker wirklich Männer wären, aber ſie ſind Kinder. Und wie man


