J.
Der junge Soldat.
Die Vorherſagungen des Grafen Kaunitz hatten ſich erfüllt. Kaum war der Plan eines Bündniſſes Oeſterreichs mit Frankreich ruchbar geworden, als auch Friedrich der Große eilte, ſich neue Bundesgenoſſen zu ſichern. Zur ſelben Zeit, als es dem König von Preußen im Jahre 1756 gelang ein Bündniß zu ſchließen mit England, dem alten Bun⸗ desgenoſſen Oeſterreichs, ſchloß die Kaiſerin Maria Thereſia ein Bündniß mit ſeinem dreihundertjährigen Feind, mit Frankreich, und dieſe gegen⸗ ſeitigen neuen Bündniſſe wurden das Signal zu einem neuen Kriege, zu dieſem an Siegen und Niederlagen, Heldenthaten und blutigen Schlachten ſo reichen Kriege, der ſieben Jahre hindurch ſeine bluttriefende Geißel über Deutſchland ſchwang, und an welchem die Völker von ganz Europa einen thätigen Antheil nahmen. Maria Thereſia hatte dieſen Krieg begonnen mit der Schärfe ihrer Zunge, und der König von Preußen hatte ihr geantwortet mit der Schärfe ſeines Schwertes. Als der König durch ſeinen Geſandten in Wien anfragen ließ, was die
großartigen Kriegsrüſtungen der Kaiſerin zu bedeuten hätten, und gegen
wen ſie gerichtet ſeien, hatte die Kaiſerin, in der Ungeduld ihres Herzens
die alte Fehde wieder aufzunehmen, und„dem böſen Manne“ ihr
Schleſien wieder zu entreißen, in ſtolzem und hochfahrendem Ton dem Geſandten Preußens erwidert:„ſie habe keine Kriegsrüſtungen gemacht, ſondern ziehe nur Truppen zuſammen zu ihrem eigenen und dem Schutz ihrer Alliirten, und es ſei jedem Souverain wohl erlaubt, in ſeinem Lande zu thun, was ihm beliebe, ohne irgend Jemand darüber Rechen⸗ ſchaft abzulegen.“*)— Kruig Friedrich ſah in dieſer„ſtolzen und verächt⸗
*) Helden⸗Geſchichte König Friedrich's II. Bd. III.
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