Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 2. Band (1857)
Entstehung
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zarte Geſchlecht der Kaiſerin Königin, durch ſein ſtolzes anmaßendes Weſen nicht ſo unritterlich verletzen zu wollen. Es iſt nicht ſo gar lange her, daß meine erhabene Kaiſerin ſelber dem engliſchen Geſandten, ¹ der in ſeinem Uebermuth ſich das Anſehen gab, als ſei der Beſitz der Niederlande nur eine von England und Holland uns bewilligte Gnade, es iſt nicht ſo gar lange her, daß meine erhabene Kaiſerin dieſem ſtolzen engliſchen Herren entgegen rief:Bin ich nicht Herrin in den Nieder⸗ landen ſo gut als in Wien? Sind ſie etwa ein Geſchenk, ein bloßes Pfand Ihres Königs und der Hochmögenden?*) Ja, rief Maria Thereſia mit flammenden Augen, und lebhaftem Nicken ihres Hauptes, ja das habe ich geſagt, denn der Uebermuth dieſer Handelsleute hatte mich zornig gemacht, und ich wollte mein gu⸗ tes Recht von ihnen nicht als eine Gnade hinnehmen. Es iſt mir ein Greuel und eine Plag, geknechtet zu werden im Namen der Freund⸗ ſchaft und der Allianzen und das wollte ich die ſtolzen Herren ein we⸗ nig fühlen laſſen!

Es war wunderbar zu ſehen, welche Wirkung dieſe ſchnellen leiden⸗ ſchaftlichen Worte der Kaiſerin auf ihre Zuhörer ausübten. Es flog wie ein Zittern durch die ehrenfeſten Mienen der Herren Conferenzräthe hin. Uhlefeld und Bartenſtein wechſelten einen Blick fragenden Erſtau⸗ nens, während die andern drei Grafen, als gewandte Hofherren ihre Blicke mit unverkennbarer Bewunderung auf Kannitz geheftet hielten, den ihre vielgeprüften Hofangen ſchnell als das aufgehende Geſtirn eines neuen Tages erkannt haben mochten.

Graf Kaunitz hatte ſich bei der unerwarteten Unterbrechung ſeiner

Rede lächelnd vor der Kaiſerin verneigt, dann, als die Kaiſerin ſchwieg, fuhr er nach einer Pauſe mit derſelben ruhigen und unveränderten Stimme fort: Ihro Majeſtät ſelber hat die Gnade gehabt den Druck und die Tyrannei unſerer zwei Alliirten des Nordens anzuerkennen, es iſt alſo nicht nöthig noch weitere Beiſpiele davon zu geben, und es bleibt nur noch übrig von unſeren Alliirten des Südens zu ſprechen, von Sardinien, welches uns die Lombardei bewacht und behütet. Aber

5) Gore: History of the house of Austria. Vol. V. S. 51.

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ich entſinne mich, daß Victor Amadeus von Sardinien, als er das