J. Der Conſerenzrath.
Die ſechs Herren, welche den Conferenzrath der Kaiſerin Maria Thereſia bildeten, waren ſchon im Arbeitszimmer der hohen Frau ver⸗ ſammelt, und harrten nur noch der Ankunft Ihrer Majeſtät, um die Sitzung beginnen zu können. In dieſer Sitzung ſollte heute über eine hochwichtige politiſche Frage entſchieden werden, und der Wiederſchein dieſer Frage warf ſeine dunklen Streiflichter auf die Herren, welche den geheimen Conferenzrath Maria Thereſia's bildeten, und hier und da in einzelnen Gruppen in dem weiten, halbdunklen Zimmer umher⸗ ſtanden, deſſen ernſtes alterthümliches Ameublement und dunkle Sam⸗ mettapete ſehr gut dem Ernſt ihrer Mienen entſprach. Da war der Freiherk von Bartenſtein und der Graf von Uhlefeld, die beiden mäch⸗ tigen Miniſter der Kaiſerin, welche Maria Thereſia ſeit dem Beginn ihrer Regierung, ſeit dreizehn Jahren alſo, mit ihrer Gunſt und ihrem Vertrauen beehrte, und deren Einfluß ſo unerſchütterlich und feſt ſchien, daß Niemand nur den vermeſſenen Gedanken hätte wagen können, ſie in ihrer hohen, für den ganzen Kaiſerſtaat ſo bedeutſamen Wichtigkeit nicht anerkennen zu wollen. Sie ſtanden, ihrer großen, unerſchütter⸗ lichen Bedeutſamkeit ſelber ſich ganz und gar bewußt, ſtolzen und hoch⸗ gehobenen Hauptes in der Mitte des Saales, und flüſterten leiſe mit⸗ einander von den Dingen, die da kommen mußten, oder vielmehr
kommen ſollten, ſo wie ſie Beide, die Herren von Bartenſtein und
Whe eelld es beſtimmen würden. Auf dem breiten muskulöſen Geſicht ſiege
ins ſtand ein Ausdruck hochmüthigen wilden Triumphes, den gewiſſe Miniſter ſich gar nicht die Mühe gab zu verbergen Joſeph. 1. Abth. I. 1
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