183
laden, fuhr die Dame mit tiefbewegter Stimme fort, aber ſchwer hat ſie es gebüßt, denn Sire, ich ſagte es Ihnen ſchon,— ſie liebt ihren Gemahl! Er verſchmäht ſie, und dennoch gehört ihm ihr ganzes Herz, er verachtet ſie, und dennoch betet ſie ihn an! Der Makel ihrer Ge— ſtalt iſt längſt von ihr genommen, ſie iſt von ihrem äußern Leiden ge— neſen, und nur ihr Herz iſt es, welches jetzt krank iſt, ihr Herz, welches brechen wird, wenn er nicht Gnade übt, und ihr endlich verzeiht, was ſie gefündigt aus Liebe! Oh, wie hat ſie gerungen um ſeine Verge— bung, wie hat ſie bereut. Aber Er hat kein Erbarmen, kein Mitleid! Wenn ſie mit ſtummem Flehen die Hand ihm darreichen will, ſo wen⸗ det er ſich ab, wenn ſie die Worte, welche er von ihren Lippen nicht hören will, mit zitternder Hand aufſchreibt und ihm ſendet, ſo ſchickt er ihre Briefe unerbrochen zurück, wenn ſie zu ihm in ſein Gemach tritt, um auf der Schwelle deſſelben auf ihre Kniee niederzuſinken und um Vergebung zu flehen, ſo geht er hinaus. Oh, er iſt grauſam in ſeiner Strafe, grauſam, wie Gott es iſt. Aber ſie liebt ihn dennoch, ſie hofft immer noch eines Tages ihn zu rühren durch ihre Demuth 4 und ihre Treue, ſie hofft, daß er eines Tages Erbarmen haben werde V mit ihrer Liebe, daß er es ihr verzeihen wird, nicht mit Schönheit ge⸗ ſegnet zu ſein. Sie hat Wochen lang nur den Einen Wunſch, das Eine Gebet gehabt, es ihm ſagen zu dürfen, daß ſie ihr Vergehen be⸗ reut, daß ſie ſeine Strafe gerecht findet, daß ſie ihn jetzt aber bittet, Erbarmen zu haben, und Gnade zu üben! Aber Er iſt ihr immer ausgewichen, er hat ſie niemals anhören wollen, und zuletzt in der 1. Angſt ihres Herzeus verfiel ſie auf eine Liſt, um ihn wenigſtens zu zwingen, ſie auzuhören. Er unternahm eine Reiſe, auf der ſie ihn nicht 1 begleiten ſollte. Sie wandte ſich an ſeine Aeltern, und bat ſie um ihren Beiſtand, bat ſie, ihr die Mittel zu gewähren, ihn endlich ohne Zeugen zu ſehen, ihn zu zwingen, ſie wenigſtens anzuhören. Man gewährte ihr dieſen Beiſtand. Heimlich durfte ſie ihm folgen, und jetzt, mein Herr und mein König, jetzt liegt ſie auf ihren Knieen und fleht zu dem Mann, den ſie liebt, um Erbarmen und um Gnade! Oh, Sire, laſſen Sie es endlich genug ſein der Grauſamkeit! Sehen Sie mich hier gedemüthigt, zitternd vor Schmerz zu Ihren Füßen. Haben Sie Mitleid, reichen Sie mir Ihre Hand und geſtatten Sie mir
——28——
—
1


