Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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Und die Signora breitete mit ſtrahlenden Augen und einem bezau⸗ bernden Lächeln ihre ſchönen, vollen, weißen Arme dem Fürſten entgegen.

Er beeilte ſich indeſſen nicht, ihrer zärtlichen Aufforderung zu ge⸗ nügen, ſondern wehrte mit einer leichten, gebieteriſchen Handbewegung ihre Umarmung ab.

Sehr gut geſpielt, Olympia, ſagte er, gravitätiſch mit dem Kopfe nickend, Sie ſind ein ebenſo talentvolles als ſchönes Frauenzimmer, und ich begreife vollkommen, daß die kleinen Kaunitze von Ihnen ani Nar⸗ renſeil geleitet werden. Hören Sie aber jetzt, was der große Kaunitz Ihnen zu ſagen hat! Ich erlaube Ihnen nicht allein dieſe Amour mit dem Grafen Palffy, ſondern ich will, daß Sie dieſelbe fortſetzen, und Sich durchaus nicht geniren, von dem jungen Verſchwender ſo viel Liebesbeweiſe, das heißt, ſo viel Geſchenke als möglich anzunehmen. Laſſen Sie Sich ihn immerhin aus Liebe zu Ihnen ruiniren, wir werden ihm ſchon nachher mit einer reichen öſterreichiſchen Erbin wieder aufhelfen. Nehmen Sie Alles, was er Ihnen giebt, und thun Sie Ihrer Liebe und Ihrer Zärtlichkeit für ihn durchaus keinen Zwang an.

Das heißt, Ew. Durchlaucht wollen mir ſagen, daß Sie gar nicht eiferſüchtig, daß Sie vielmehr Meiner vollkommen überdrüſſig ſind, ſeufzte die Signora. Nun dann, mein Fürſt, ich habe wenigſtens noch ſo viel Stolz und Selbſtbewußtſein, daß ich Ihnen nicht weiter läſtig fallen will. Leben Sie wohl, Durchlaucht, und möchten Sie es niemals zu bereuen haben, daß Sie die arme Olympia, welche Sie anbetete, verſtoßen haben..

Und mit einem zärtlichen, hinſterbenden Abſchiedsblick näherte ſich die Signora zögernd der geheimen Thür.

Aber ſo bleiben Sie doch, ſagte Kaunitz verdrießlich. Vergeſſen Sie doch nicht immer wieder, daß Sie es mit dem großen Kaunitz zu thun haben, der nicht gewohnt iſt, irgend Etwas ſo zu ſagen und zu thun, wie die andern, gewöhnlichen Menſchen! Ich wiederhole Ihnen Kaiſer Joſeph. 1. Abth. II. 11