Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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letzten acht Tagen gar nicht an mich erinnert habe. Ich wollte Sie

in Ihrem allerliebſten genialen Liebesroman mit dem Grafen von

Palffy nicht ſtören, ſondern Ihnen vollkommene Ruhe und Zeit gönnen, das Netz erſt ganz und gar über den verliebten ungariſchen Grafen auszubreiten!

Die Signora ſchaute mit erſchrockenen und unſicheren Blicken den Fürſten an. Aber mein Gott, Durchlaucht, Sie glauben—

Nicht doch, ich glaube nicht, ich weiß, daß die ſchöne Signora Foliazzi, welche mich und nur mich allein liebt, ſeit zwei Tagen die angebetete und zärtliche Freundin des jungen, reichen und verſchwende⸗ riſchen Grafen Palffy iſt.

Die Signora brach in ein lautes, fröhliches Lachen aus. Aber Durchlaucht, wenn Sie das wiſſen, weshalb haben Sie mich alsdann

nicht ſchon bei meinen glühenden Liebesbetheuerungen mit einem don⸗

nernden:„Ich weiß Alles“ unterbrochen?

Ich wollte ſehen, ob Sie, wie ich es hoffte und wünſchte, eine vollkommene Meiſterin in der Darſtellungskunſt ſeien. Ich mache Ihnen mein Compliment, Olympia, ſelbſt ich hätte das nichtbeſſer machen können. 5

Durchlaucht, ſagte die Signora ernſt, ich habe dieſe ganze Scene auch von Ihnen gelernt und bin in unſerm Verhältniß durchaus nur Ihrem Beiſpiel gefolgt. Sie haben mir oft geſchworen, daß Sie mich liebten, und zur ſelben Zeit war die äfin Clary ſchen Jrrte Braut, der Sie öffentlich„ Welt dieſelben Huldigungen dar⸗ brachten⸗ wie urd an der Einſamkeit dieſes Gemaches, oder in der Ab⸗ geſchiedenheit meines Boudoi s Oh mein Fürſt, ich habe in der Stille ſehr viel gelitten durch Ihre Treuloſigkeit, und dies Mal habe ich die Sympathieen der ganzen Welt für mich. Denn glauben Sie nicht, mein Fürſt, daß die Menſchen, welchs, es freilich ſo gewohnt ſind, Sie anzu⸗ beten, Ihnen auch dies Mal, f immer, Recht gaben, und Ihre Grau⸗ ſamkeit gegen mich gut gehei ßen haben. Nein, Durchlaucht, Jedermann kannte Ihr doppeltes Lie⸗ ſeverhältniß, Jedermann hat Sie deshalb ver⸗ vanuni und Ihnen dede wenig ſchmeichleriſchen Beinamen eines jungen leichtfertigen und trer Kleſen Libertins gegeben!

Fürſten Kaunitz.