Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 1. Band (1857)
Entstehung
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loben wollte, ſo müßte man mich doch verdammen um das, was ich frei⸗ willig und wiſſentlich Unrecht gethan gegen Ew. Majeſtät und gegen den König von Rom. Denn es war ein ſchweres Unrecht, daß ich Ew. Majeſtät meine Leiden verheimlichte, ein unverzeihliches Vergehen, daß ich Ew. Majeſtät nicht davon in Kenntniß ſetzte, oder wenigſtens einen Aufſchub der Vermählung begehrte. Ich war dazu verpflichtet, und weil ich's unterließ, beuge ich mein Haupt in Demuth und unter⸗ werfe mich jeder Strafe, welche Ew. Majeſtät mir auferlegen wollen!

Nun, dieſe Strafe ſoll nicht ſo gar groß ſein, ſagte die Kaiſerin, deren gutmüthiges, weiches Herz von den ſanften und einfachen Worten der Prinzeſſin ſchnell verſöhnt worden war. Ich meinestheils vergebe Dir, meine Tochter, denn ich denke, Du haſt Dein Vergehen in dieſen Stunden bitter genug gebüßt.

Ich danke Ihnen, Majeſtät, ſagte Joſepha, die dargereichte Hand der Kaiſerin an ihre Lippen drückend. Ihnen wird es in der Groß⸗ muth und dem Edelſinn ihres Herzens leicht, zu verzeihen; aber wird auch mein Gemahl mir vergeben können?

Sie wandte ihr bleiches Antlitz mit einem flehenden Ausdruck auf Jo⸗ ſeph hin. Er ſtand noch immer in der Fenſterniſche und ſchaute mit inein⸗ andergeſchlagenen Armen und mit finſtern Mienen auf die Prinzeſſin hin.

Nein, ſagte ſie traurig, Er hat mir noch nicht verziehen; um ſein Herz zu rühren, muß ich ein offenes Bekenntniß ablegen.

Sie näherte ſich geſenkten Hauptes, demüthig und unterwürfig ihrem Gemahl, und achtete nicht der unwillkürlichen, ſchaudernden Be⸗ wegung, mit der er ihr Nahen abzuwehren ſuchte. Um Ihre Ver⸗ zeihung zu erhalten, Sire, ſagte ſie leiſe, muß ich Ihnen bekennen, wa⸗ rum ich Ihnen mein Geheimniß verſchwieg. Es geſchah aus Furcht, ſie zu verlieren, es geſchah, weil ich lieber mein Gewiſſen belaſten, lieber meine ewige Seligkeit gefährden, als meine irdiſche Seligkeit verlieren wollte, dieſe Seligkeit, an Ihrer Seite zu ſein, als Ihre von der gan⸗ zen Welt beneidete glückſelige Gemahlin! Ich hatte den Muth Sie zu täuſchen, weil es mir an Muth gebrach, Sie zu verlieren. Denn mein Herr und mein Gemahl, ich liebe Sie, mein Herz gehört Ihnen mit jedem Athemzug und jedem Nerv, ich habe Sie geliebt, ſeit ich Sie zum erſten Mal geſehen, und dieſe Liebe, welcher Gott den Segen und das