Seine Gattin war ihm gefolgt, und legte jetzt leiſe und lächelnd ihre Hand auf ſeine Schulter. Und wem glänzt wohl der Tag, und wem ſtrahlt wohl die Sonne, wenn nicht Dir? fragte ſie vorwurfsvoll. Schau um Dich, Freund, und ſag' mir, ob's hier und da draußen im ſonnigen liederreichen Italien einen Künſtler giebt, der mehr geehrt und mehr bewundert iſt, wie Du? Schau hinter Dich, in Deine Vergan⸗ genheit! Da ſtehen Deine zwanzig Opern mit heiter ſtrahlendem An⸗ geſicht, und jede trägt einen Lorbeerkranz auf ihrem triumphirenden Haupt, und jede hat die Tuba in der Hand, und ſingt und ruft es aus in alle Welt: Es lebe der ruhmgekrönte Künſtler Chriſtoph Gluck! Und wenn Du die zwanzig triumphirenden Jungfrauen da hinter Dir erſchaut, dann richte den Blick vorwärts in Deine Zukunft, da ſtehen die Schweſtern der Zwanzig, noch ſind ihre Lippen nicht geöffnet, und ihre Häupter nicht bekränzt, aber ein Tag wird kommen, da wird der Ritter Gluck ihnen Sprache und Leben geben, da werden die Völker ſie mit dem Lorbeer ſchmücken, da werden dieſe neuen Opern, wie die andern, Deinen Ruhm verkünden, und ſtatt der zwanzig werden einſt vielleicht es funfzig Opern Dir entgegen rufen: Es lebe Chriſtoph Gluck! — Ich meinestheils ich glaube an dieſe Opern der Zukunft, ich kenne meinen Meiſter mit dem nie alternden Jünglingsherzen und der nie erblaſſenden Phantaſie, ich weiß, daß er noch Großes und Herrliches leiſten wird, und wenn ich das nicht wüßte, würde ich alsdann wohl ſo viel Nachſicht haben mit ſeinen Künſtlerlaunen? Würde ich alsdann geſtatten, daß er die Nächte hindurch hier arbeitet und ſchwärmt, würde ich wohl ſeit drei Stunden da wie ein verliebtes Mädchen auf der Schwelle ſeiner Thür ſitzen, das Ohr lauſchend an das Schlüſſelloch gelegt, in athemloſer Angſt auf jedes Geräuſch, auf jeden Ton da drinnen horchend, und doch nicht wagend anzuklopfen, und zu rufen, um die heiligen Muſen nicht zu verjagen, bis endlich die Todesangſt, es möchte meinem Meiſter ein Unfall zugeſtoßen ſein, mir den Muth der Ver⸗ zweiflung gab, daß ich anklopfte und Einlaß begehrte? Oh mein Meiſter und mein Herr, ich glaube an Dich, wie die ganze Welt an Dich glaubt. Dein Tag iſt da, und Deine Sonne ſcheint. Was ſollen alſo die Wolken auf Deiner Stirn?
Sie hatte, ganz Begeiſterung und Gluth, ſo zu ihm geſprochen, 2*


