Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 3. Band (1862)
Entstehung
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Und leicht und luſtig wie eine Gemſe ſprang ſie aus dem Zimmer und durch die Thür im kleinen Vor zimmer hinein in das Gärtchen zu den ſchönen Alpen blumen hin.

Ah ſchau, rief ſie, freudig in die Hände ſchlagend, das Edelweiß von der Wildenſeealp hat ſeine Augen aufgethan und alle ſeine kleinen Knospen geöffnet. Ah, du lieb herzig Blümli, weißt noch, wie's damals war, als du blühteſt droben auf der Alp? Weißt noch, wie ich oft neben dir ſaß und weint und ſeufzt, und wie er eines Abends ganz ſpät im Mondenſcheitk. kam? Auf derſelben Stell' biſt gewachſen, wo wir da zuſammen ſaßen im Mondenlicht, und drum hat er dich hierher geholt zum ewigen Andenken an den Tag. Oh, du lieb Edelweiß, muß dich küſſen, mein liebes Blümli!

Sie knieet nieder zu den Blumen und küßt die kleinen weißen Blüthen und ſchaut ſie an mit träume riſch lächelnden Blicken. Dann auf einmal, als blüh ten die Erinnerungen vergangener Jahre wieder in ihr auf, beginnt ſie mit jauchzender Stimme einen Schnaderhüpferl zu ſingen:

Horch, mein Bübli, horch, ich ſag' dir was: Sei nit traurig halt und ſei nit blaß