Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 2. Band (1862)
Entstehung
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Nun, laß hören, mein kleiner Mann. Diesmal, hoffe ich, wirſt Du etwas für Dich ſelber erbitten.

Majeſtät, ich bitte, daß Sie mit mir ſogleich hin überkommen zu meiner Mama, bei welcher der Herr Erzherzog ſich eben befindet, ſo daß Sie dort der Mama und dem Erzherzog Jedem den für ſie beſtimm⸗ ten Brief geben und ſagen wollen: ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß ich erfüllen will, was in dem Brief verſprochen iſt.

Das iſt Alles? fragte der Kaiſer verwundert.

Ja, das iſt Alles, Ew. Majeſtät.

Gut denn, ſo komm, ſagte der Kaiſer, indem er dem Prinzen die Hand darreichte und raſch das Ca⸗ binet durchſchritt. Ohne ein Wort zu ſprechen, haſtig und ſtumm durchſchritten ſie Beide die Säle und Corridore, die zu dem andern Flügel des Schloſſes und zu den Gemächern hinführten, welche Marie Louiſe bewohnte. Der Knabe hielt die beiden Briefe in der Hand und ſah ſie an mit ernſten, traurigen Blicken. Des Kaiſers Antlitz war ruhig und lächelnd, und da er den Inhalt dieſer beiden Briefe zu kennen meinte, beluſtigte er ſich ſchon im Voraus damit, den Erz⸗ herzog verſpotten zu können mit ſeinem Treubruch gegen die Poſthalters⸗Tochter.