Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Erzherzog Johann und der Herzog von Reichstadt : 2. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3 34

Ja, wiederholt er fromm, der liebe Herr Gott ſieht's und ſeine Engel auch!

Und er neigt ſich zu ihr, und drückt einen Kuß auf ihre Lippen, einen Kuß, wie ihn der Vater ſeiner Tochter, der Bruder ſeiner Schweſter giebt.

Aber Anna erſchauert doch von dieſem Kuß, eine tödtliche Bläſſe überfliegt ihre Wangen, welche dann wieder im tiefſten Roth erglühen.

Was zittert Ihr, ſchön' Annerle? fragt er theil nahmsvoll.

Oh, Herr, flüſtert ſie kaum hörbar, noch Eins wollt' ich Euch bitten. Denkt nit ſchlecht von mir, weil ich vorhin ſo lang in Euren Armen gelegen, und gewiß viel dummes Zeug geſchwatzt hab'. Ich war nur ſo verwirrt, ich wußt nit, ob ich lebt', ob ich geſtorben war. Ich hatt' Euch nie geſehen, und wußt gar nit, daß Ihr da wart, und dumm wie ich bin, dacht' ich, ich wär' geſtorben, und lag ganz ſtill.

Und lagſt ganz ſtill, und gönnteſt es mir, daß ich das reinſte ſchönſte Glück in meinen Armen hielt!

Oh, Herr!

Was nennt Ihr mich Herr? fragt er unwillig. Bin ich nicht ein einfacher Jägersmann?

Freilich, Ihr ſchaut wohl ſo aus, aber Ihr ſprecht

ich he