Aber wenn's Euch Lohn dünkt, ſo ſchwör' ich Euch, daß ich das Leben, das Ihr mir gerettet, zu Euren Ehren brauchen, und ſtets ein braves ehrbares Mädel bleiben will, ſo lang' ich lebe, und daß, ſo lang' ich lebe, ich jeden Abend und jeden Morgen zum lieben Herr Gott für Euch beten will!
Thut das, Jungfer Anna, ſagt er tiefbewegt, ich bedarf wohl eines guten Engels, der droben für mich betet, und ich fühl's, Ihr werdet von heute an mein guter Engel ſein. Aber nun, vor allen Dingen, ſtehet auf! Gebt mir Eure Hand, und ſteht auf.
Er reichte ihr ſeine beiden Hände dar, ſie legte die ihren hinein, und richtete ſich auf. Aber ihre Hände hielten ſich feſt, und ihre Augen ſchauten ein— ander an, lang und feſt, in ſüßem Selbſtvergeſſen.
Lieb' Annerle, flüſtert er. Wollt Ihr mir's ge ſtatten, mir ſelber meinen ſchönſten Lohn von Euren Lippen zu nehmen? Wollt Ihr mir einen Kuß er lauben?
Sie glüht wie eine Purpurroſe, ein liebliches ver ſchämtes Lächeln ſpielt um ihre Lippen.
Nehmt den Kuß, ſagt ſie ganz leiſe. Nehmt den Kuß! Der liebe Herr Gott ſieht's und ſeine Engel auch!
Mühlbach, Erzherzog Johann. II.
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