324
Ruhig, Freund Hormayr, ruhig, unterbrach ihn der Erzherzog freundlich. Sie laſſen ſich allzuſehr hin— reißen von Ihrem Schmerz um Tyrol, Sie beſchul⸗ digen den einſtigen Freund, und der Schmerz macht Sie ungerecht.
Nein, Hoheit, ſagte Roſchmann mit weicher, ſchwer⸗ muthsvoller Stimme, nein, der Schmerz des edlen Hormayr iſt gerecht, und er ſpricht die Wahrheit. Ja, die Botſchaft, welche ich damals in den Oktober⸗ tagen des Jahres 1809 von Totis nach Innsbruck brachte, war verderbenbringend für Tyrol, denn ſie fachte den Aufruhr wieder an, in demſelben Moment, wo der Widerſtand, der bis dahin Pflicht geweſen, zur Rebellion ward, und wo die bisherigen Feinde Tyrols die berechtigten Herren deſſelben geworden. Hormayr hat auch darin Recht, daß dieſer Aufruf zum erneu⸗ erten Kampf, den ich nach Innsbruck brachte, die erſte Schuld trägt an dem Tode Andreas Hofers! Oh, ich habe mir das in vielen ſchlafloſen Nächten, unter bit⸗ tern Thränen ſelbſt geſagt, ich habe mich vor mir ſelber angeklagt, als den Mörder Andreas Hofer's, und mich Jahrelang mit meinem Schmerz und meiner Qual in die Einſamkeit geflüchtet. Aber ich habe nur das Eine zu meiner Rechtfertigung anzuführen: ich


