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wohl fehlte Philippinen in dieſer Stimmung Muth und Sinn, der Urſache nachzuſpuͤren.
„Und“ fuhr ſie fort, die Beruhigungs⸗ gruͤnde, welche Huldſteinen auf der Lippe ſchweb⸗ ten, nicht anerkennend:—„und wenn nun ſo⸗ gar der ſchreckliche Schritt meiner zweiten Ver⸗ maͤhlung nicht geſchehen waͤre, wie haͤtte ich auch dann meinem Reinberg unter die Augen treten, wie haͤtte ich den ewigen Vorwurf: Du, Du haſt mir mein Liebſtes, den eigenen Sohn geopfert, wie haͤtte ich den ertragen wollen?“
„Nie,“ fiel der Haupmann ein:„nie wuͤr⸗ de er Ihnen dieſen Vorwurf haben machen koͤn⸗ nen.“—
„Nicht machen wollen;“ unterbrach ihn die Leidende heftig:„aber wuͤrde nicht jeder ſei⸗ ner mildeſten Blicke mein Genäſſen unheilbar verwundet haben?“
„Wenn aber nun auch Ihr Sohn, gnaͤdige Frau, ihr Max, noch am Leben waͤre?“
Auf dieſes Wort ſtarrte ſie ihn an, wie der Wahnſinn.“
„Und es iſt wirklich ſo!“ ſprach der Haupt⸗ mann:„Die ſeltſame Verkettung der Umſtaͤnde


