207 des Majors Reinberg gehalten, bringt eines Abends der Bote einen Brief aus Deutſch⸗ land mit ſchwarzem Siegel. Der Gedanke an ſeinen moͤglichen Inhalt krampft Philippi⸗ nen die Bruſt zuſammen. Sie ſieht die beiden
Freunde, die grade bei ihr ſind, ſtarren Auges
an, ob auch ſie wohl eine dunkle Ahnung ha⸗ ben moͤchten. Der Brief faͤllt noch uneroͤffnet aus ihrer heftig zitternden Hand. Sie hebt ihn auf und bittet Paulinen, ihn ihr zu leſen.
Die Verwandlung des Geſichts der Leſerin, verkuͤndet ihr alles. Ehe Pauline den Mund oͤffnen kann, greift Philippine nach dem Briefe. Aber die Kraͤfte verſagen ihr; ſie ſinkt bewußt⸗ los neben der Freundin nieder. 1
Wirklich ſagte der Brief, was ein kurz dar⸗ auf folgender beſtaͤtigte, daß ihr Gemahl in der Schlacht bei Kaluga geblieben ſey. Vergebens werden lange alle Troſtgruͤnde an der auf's Tiefſte Gebeugten verſucht. Sie iſt fuͤr jedes irrdiſche Heil unempfaͤnglich. Sie betrachtet ſich als eine Pflanze, die mit der Wurzel ausgeriſ⸗ ſen, nur dann erſt wieder Theil haben koͤnne an
der muͤtterlichen Erde, wenn ſie ganz in den Schoos derſelben verſenkt ſeyn wuͤrde.


