Druckschrift 
Welcher? : drei Geschichten verwandten Inhalts / von Friedrich Laun
Entstehung
Einzelbild herunterladen

164

tiliens, als eine nur inſofern ihn angehende Be⸗ gebenheit, weil der Vater der durch die Gruft von ihrem erſten Gatten Geſchiedenen, ein guter Bekannter von ihm ſey.

Aber der Rechtsgelehrte, der aus der un⸗ willkuͤhrlichen Waͤrme, womit der Erzaͤhler die

Sache der zweiten Ehe verfocht, wohl abnahm,

wen er vor ſich hatte, gab ihm achſelzuckend einen hoͤchſt niederſchlagenden Beſcheid.

„So waͤren denn,“ rief der Erbleichende aus:„unſere Geſetze nichts weiter, als ein jaͤmmerlicher, ein fluchwuͤrdiger Deckmantel des heilloſeſten Unrechts, da ſie Entſcheidungen ge⸗ ben, die allen menſchlichen Gefuͤhlen Trotz und Hohn ſprechen!“

„Sie irren,“ verſetzte der theilnehmende Rechtsfreund.„Der vorliegende Fall gehoͤrt freilich zu denjenigen, wo das Geſetz dem Ge⸗ fuͤhle nicht beiſtehen kann, ſo maͤchtig auch die Stimme des letztern an jede Menſchen⸗ bruſt anſchlaͤgt. Allein der erſte Gatte darf auch Anſpruch auf das neue Leben ſeiner Gattin „machen. Das Grab, ohne den wirklich erfolg⸗ ten Tod, konnte das Sakrament der Ehe nicht aufloͤſen. Es war immer eine Vergehung, eine