116
ſchoͤn genoſſen, aber gewiß noch niemals eine ſolche Freude uͤber ſolch ein Produktchen geſe⸗ hen, wie die der Pfarrerin, als wir das alle laut bezeugen mußten. Ich wurde hier faſt
gar ein wenig neidiſch, denn ich— die Frau
eines ziemlich vornehmen Officiers— hab' es auch zu'was in der edlen Kochkunſt bringen muͤſſen. Da ich vorgeſtern Geſellſchaft hatte, ließ ich den Koch kommen, und ordnete eine Kompoſition zu einem Kirſchkuchen, wie ſeit
Menſchengedenken wenige erſchienen ſeyn moͤ⸗
gen. Der Koch lieferte wirklich eine Pracht⸗ ausgabe: man wußte ſie zu ſchaͤtzen, es war mir lieb, aber— ſo recht von Herzen, wie meine Pfarrerin, konnt' ich mich doch nicht freuen. Die jetzige Theuerung hat in unſern Ge⸗ genden die Bettler ſehr vermehrt. Neulich kömmt eine huͤbſche und gewiß nicht unordent⸗ liche Frau eines braven Soldaten, den man ohne Unterſtuͤtzung abgedankt hat, weil er nicht mehr zum Zerſchießen taugt, ſondern ſchon zer⸗ ſchoſſen iſt. Die Frau hatte drei Kinder, die faſt nackend waren. Meine Pfarrerin giebt


