35 begeben; allein man verſicherte mich, daß dieß in Paris keine Folgen hätte, worauf wir 15 gewagt haben.“
„Man hat Sie nicht getäuſcht: in Paris thut man ſo ziemlich Alles, was man will; es leben hier ſo viele Leute, daß man ſich um Niemand mehr be⸗ kümmert. Wie ich ſehe, wohnen Sie nicht für ge⸗ wöhnlich in der Hauptſtadt?“
„Nein; ich will mich, meiner Nichte zu lieb, welche die Abſicht hat, ſich hier niederzulaſſen, auch daſelbſt anſäßig machen; heute haben wir uns vorgenommen, das Theater in dieſem Stadtviertel zu beſuchen. Das erſte Mal iſt dieß in Paris der Fall, und aus Furcht, nicht zeitig genug hineinzukommen, ſagten wir: wir wollen in der Nähe des Theaters zu Mit⸗ tag ſpeiſen, denn es wird ſehr ſchwer ſein, einen Platz im Theater zu bekommen, weil das zunächſt hier gelegene nach der Verſicherung der Journale immer ſehr angefüllt iſt.“
„Wenn Sie das Pariſer Leben näher kennen ler⸗ nen, ſo werden Sie ſehen, daß man ſich nicht auf die Journale verlaſſen darf; in der Politik wie in der Literatur ſtreichen ſie jedes ſeine Partie oder ſeinen Anhang heraus! Durch ihr zu vieles Lügen haben ſie ſich ſelbſt viel geſchadet. Ich verſichere Sie, daß Sie wohl Zeit zum Diniren haben und im be⸗ nachbarten Theater hinlänglich Platz finden, wenn Ihnen gleich das Journal⸗ berichtete, daß es alle Abende voll iſt.“
Die Dame verneigt ſich und als der Kellner das


