Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

191

mochte auch ein ſo zarter Jüngling von ſo ſchwacher

Conſtitution ſich in ſolche blutige Scenen wagen! Der

Knabe ſchaute ſeinem Herrn mit einem ausdrucksvollen

Blicke von Zufriedenheit und Freude in's Geſicht, daß

Ivan den Unwillen, den er über die Unbedachtſamkeit

des Jungen gefühlt hatte, vergaß, ſeine Hand auf deſſen Schulter legte und ſagte:

Es war deiner eigenen Sicherheit wegen mein braver aber unbeſonnener Conrin, daß ich Dir verbot mich zu begleiten, und auch um meiner ſelbſt willen. Denn mein Schmerz wäre in der That groß geweſen und ich hätte mir fortwährend Vorwürfe machen müſſen, wäreſt Du gefallen oder auch nur verwundet worden. Deßhalb, wenn Du mich liebſt begebe Dich nicht wieder in ſolche Gefahr.

Der Knabe brach in Thränen aus.Es wäre meine größte Freude zu Ihren Füßen zu ſterben, wenn ich glauben könnte, daß Sie mich ſo lieben wie ich es wünſchel rief er leidenſchaftlich.Und ich bin für alle Gräuel dieſer Scene hinreichend entſchädigt, da nun der Augen⸗ blick gekommen iſt, wo ich Sie ſicher weiß.

Knabe, Du wirſt Deinen tapferen jungen Muth vor der Zeit abnützen, wenn Du ihn ſo mißbrauchſt. Um meinetwillen wenn nicht um Deiner ſelbſt willen mache mir dieſe Sorge nicht wieder, ſagte Ivan.Und nun muß ich Dich als Deſerteur Deiner Gebieterin zu⸗ rückbringen.

Haben Sie mir denn vergeben, Herr? fragte der Knabe.

Ja, Conrin, ja, ich habe Dir vergeben und gern, weil Du nicht gelitten haſt. Aber ſiehe die Häuptlinge ziehen fort, ich muß mich ihnen anſchließen.

Die Oberhäupter hatten Rath gehalten, in welchem beſchloſſen worden war, das Fort ganz zu zerſtören. Ach⸗ met Beg wollte freiwillig mit einem Theile ſeines Gefolges zurückbleiben um das Demoliren zu bewerkſtelligen. Die Uebrigen verließen das Fort, nachdem die Zugbrücke zu