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Lager; Javis aber ließ ſich, als er wieder gefaßt war, auf die Kniee nieder. „Großer Geiſt,“ rief er,„ich werde Dir gehorchen! Nehme nur dieſen ſchweren Fluch von mir, und ich will dieſem Fremden folgen, wohin er auch immer gehen mag. Ich will ihn nie mehr verlaſſen, bis ich ihn in ſeinem Geburtslande in Sicherheit ſehe. Obgleich mein . Herz ſich in hoffnungsloſer Liebe verzehrt, will ich alles ſeinetwillen dulden. Laſſe mich durch dieſe ſchwere Prü⸗ 5 fung Verzeihung ſinden.“ Javis erhob ſich und floh in das Lager zuruck. Ivan erwachte ohne Ahnung der Gefahr und Ver⸗ rätherei, denen er entgangen war, und kam aus dem Zelte; bald darauf erſchien auch Javis, der alle Zeichen des Alters von ſich abgelegt hatte, in ſeinem wirklichen Charakter, und Ivan folgte gerne ſeinem Beiſpiel. Er kehrte in das Zelt zurück und kleidete ſich als junger Zigeuner; Conrin hatte auch ſchon denſelben Charakter angenommen. Als alles vorbereitet war, ſetzten ſich die Flücht⸗ linge mit ihren Zigeunerführern gegen das Ufer des Fluſſes in Bewegung. Das Wetter war immer noch finſter und ſtürmiſch, und der Wind rauſchte durch die wenigen, vereinzelten Bäume, welche am Ufer ſtanden. Hie und da kam ein flimmernder Stern zwiſchen den dun⸗ keln Wolkenmaſſen, die ſchnell über den Himmel getrieben wurden, zum Vorſchein. Das Waſſer warf ſchäumende Wellen, und für Augenblicke wurde dieſe wilde Scene durch glänzende Blitze erleuchtet, um nachher wieder in gänzliche Finſterniß zurückzufallen.
Nachdem ſie an einem ſteilen Ufer hinabgeklimmt
waren, ließen die Führer ein kleines Boot, das in dich⸗ 3 tem Geſträuch verſteckt geweſen war, ins Waſſer und ſtießen in den Strom als die Reiſenden ihre Sitze ein⸗ genommen hatten. Die Zigeuner, die mit der Oertlichkeit genau bekannt waren, und wohl wußten, daß ſich die ruſſiſchen Poſten in einer ſolchen Nacht nicht hinauswag⸗ ten, ſchienen frei von aller Sorge zu ſeyn.


