Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchen (1846)
Entstehung
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werth halten würden, ſo ärmlich ausſehende Reiſende zu plündern.

Ivan willigte gern in dieſen Vorſchlag ein, und nachdem ihnen ein Ueberfluß von Nahrungsmitteln vor⸗ geſetzt worden war, unternahm es Javis, die nothwen⸗ digen Anzüge zu richten. Die Zigeuner behandelten Jvan und ſeinen jungen Gefährten mit der größten Achtung.

Während Javis ſein Geſchäft verrichtete, wurde ſeine Stirne umwölkter und finſterer als vorher. Als er an Jvan vorbeigieng warf er einen ſchnellen, unge⸗ wiſſen Blick auf ihn, ſein Geſicht nahm einen Ausdruck an, wie wenn ihn eine plötzliche Angſt überfallen hätte, dann beſtrebte er ſich wieder ruhig und gefaßt zu ſcheinen.

Jvan war von den Anſtrengungen ſeiner Reiſe er⸗ müdet und nahm das ihm vom Zigeuner⸗Häuptling gemachte Anerbieten, in ſeinem Zelte auszuruhen, mit

Vergnügen an; er legte ſich dort auf einen Haufen von

Fellen und verfiel bald in einen tiefen Schlaf; es war aber auch noch viel zu früh an der Zeit, um mit Si⸗ cherheit den Pruth überſchreiten zu können.

Die dunkeln Schatten des Abends waren ſchon an⸗ gekommen und am Himmel gewahrte man drohende Zeichen einer ſtürmiſchen, rauhen Nacht, als Javis ſich, wie er glaubte von keinem Einzigen des Stammes be⸗ merkt, aus dem Lager wegſchlich. Er blickte bebend hinter ſich zurück, ſah Niemand folgen, und ſetzte dann ſeinen Weg weiter fort. Er ellte ſehr ſchnell fort, dann hielt er wieder an und zauderte; Furcht und Zweifel beklemmten ſeine Bruſt. Endlich nahm er allen ſeinen Muth zuſammen und rannte wieder eilig weiter. Seine Abſicht wagte er ſich kaum ſelbſt zu geſtehen. Konnte er, der bisher ſo Brave, Treue, von dem ganzen Stamm ſo Geliebte, konnte er ſich eine Verrätherei zu Schulden kommen laſſen?

Der lang drohende Sturm brach nun plötzlich mit Wuth aus; die Blitze leuchteten glänzend und der Wind