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Der alte Commodore. 189
Roſaliens Geſicht zeigte eine Bläſſe, die man nur mit Trauern anblicken konnte; ihre Lippen waren blut⸗ los, und in ihren Schläfen ſah man jene Vertiefungen, die mit Recht die Gräber der Hoffnung genannt wer⸗ den. Deſſenungeachtet war ihr Geſicht nicht verfallen, ſondern zeigte ein vollkommenes Langrund in den lieb⸗ lichſten Umriſſen. In ihren großen, dunkelbraunen Au⸗ gen lag ein Ausdruck der tiefſten Schwermuth. Das Geſicht würde ein edles Monument ſtillen, wandelloſen Kummers abgegeben haben, wenn auf deſſen Oberlippe nicht ein krampfhaftes Zucken, das von unausſprechba⸗ rem Weh zeugte, wahrzunehmen geweſen wäre. Dort, auf jenem kleinen Raume, befand ſich das Gefilde, auf welchem der Heldenmuth ſchweigſamen, jedoch unauf⸗ hörlichen Duldens, und der Trieb, den Seufzer des Kummers und das Aechzen der Verzweiflung laut wer⸗ den zu laſſen, ihren ſchaurigen Kampf beſtanden.
»Roſalie, mein Kind,« ſagte der Vater Florentin, „hier iſt ein freundlicher Arzt, der Dir wohlwill.⸗
Und als er dieſe Worte geſprochen hatte, verbeugte er ſich und verließ das Zimmer.
Ende des zweiten Theils.


