Teil eines Werkes 
3. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

190

möge denn der Panzer zerſprengen, welcher mein Herz zuſammenſchnürt! Sei mir gegrüßt, Katharina, mein Stern und meine Hoffnung! Niemand, ſagſt Du, hört uns, als Gottallein, und Gott kennt unſere Liebe, und er weiß, mit welcher Sehnſucht und wel⸗ chem Entzücken ich dieſer Stunde entgegengeſeufzt habe, dieſer Stunde, welche mich endlich wieder mit Dir vereint! Mein Gott, es iſt eine Ewigkeit her, ſeit ich Dich nicht geſehen, Katharina, und mein Herz 1 dürſtet nach Dir, wie ein Verſchmachtender nach einem

Labetrunk. Katharina, meine Geliebte, geſegnet ſeieſt Du, daß Du mich endlich zu Dir rufſt!

Er breitete die Arme nach ihr aus, aber ſie wehrte ihn heftig zurück. Ihr irrt Euch in dem Namen, Graf, ſagte ſie bitter. Ihr ſagt Katharina, und meint Eliſabeth! Die Prinzeſſin iſt es, welche Ihr liebt, Eliſabeth gehört Euer Herz, und ſie hat Euch ihr Herz geweiht. Oh, Graf, ich werde dieſe Liebe begünſtigen, und ſeid gewiß, ich werde nicht nachlaſſen mit Bitten und Flehen, bis ich den König Euren Wünſchen ge⸗ neigt gemacht, bis er ſeine Einwilligung gegeben zu Eurer Vermählung mit der Prinzeſſin Eliſabeth!

Thomas Seymour lachte. Es iſt eine Maskerade, Katharina, und Ihr tragt noch immer eine Maske vor Eurem ſchönen und holden Angeſicht! Oh weg mit dieſer Maske, Königin! Ich will Dich ſchauen, wie Du biſt, ich will wieder Dein eigenes ſchönes Selbſt, ich will das Weib ſehen, welches mir gehört, und welches geſchworen, Mein zu ſein, und welches mit tauſend heiligen Eiden gelobt, mich zu lieben, mir treu zu ſein und mir zu folgen als ihrem Gemahl und ihrem Herrn. Oder wie, Katharina, hätteſt Du Deiner Schwüre vergeſſen, wärſt Du Deinem Herzen untren geworden? Willſt Du mich von Dir ſtoßen, und wie