Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-— 89—

einhüllen, er muß nackt ſein und faltenlos. So ſei der meine. Und wenn ich alſo auserſehen bin, ein Zeichen des reinen Glaubens zu werden, der ſich ſelbſt nicht leugnet, und ſich ſelbſt bekennt, nun denn, ſo gönnt mir dieſen Vorzug. Viele ſind berufen, aber Wenige ſind auserkoren. Wenn ich eine der Aus⸗ erkorenen bin, ſo danke ich Gott dafür und ſegne die armen, irrenden Menſchen, die mich durch Folterqua⸗ len dazu machen wollen. Ach glaubt mir, Katharina, ich freue mich auf das Sterben, denn es iſt ein trau⸗ riges, ödes und derzieifinnedolles Ding um das Leben! Laßt mich ſterben, Katharina, ſterben, um einzugehen zur Seligkeit! — Aber, armes bejammernswerthes Kind! Dies iſt mehr als Sterben, dies iſt die Oual der Erde, welche Dich bedroht! Oh bedenke, Marie, daß Du nur ein ſchwaches Weib biſt! Wer weiß, ob die Folter Dei⸗ nen Geiſt nicht doch beſiegt. Und ob Du, mit zerriſ⸗ ſenen Gliedern nicht endlich in der Raſerei des Schmer⸗ zes doch dahin gebracht wirſt, zu widerrufen und Deinen Glauben abzuſchwören!

Wenn ich das thun könnte, rief Marie Askew mit flammenden Blicken, glaubt mir, Königin, daß ich, wieder zur Beſinnung gekommen, mir ſelber den Tod geben würde, um mich zur Strafe meines Widerrufs der ewigen Verdammniß zu überliefern! Gott hat befohlen, daß ich ein Zeichen werde des rechten Glau⸗ bens. Sein Befehl werde erfüllt!

Nun wohl, ſo ſei es, ſagte Katharina entſchloſſen. Widerrufe nicht, aber rette Dich vor Deinen Henkern! Ich, Marie, ich will Dich retten! Ich kann's nicht ertragen und nicht denken, daß dieſe edle holde Geſtalt dem ſchnöden Irrwahn der Menſchen geopfert werden ſoll, daß man zur Ehre Gottes ein edles Ebenbild