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ich nicht einmal mehr die Lüge des Glückes mein nennen kann! Und die
Menſchen beneiden mich doch! Das heißt, ſie beneiden einen armen,
entnüchterten, von allen Illuſionen geheilten, einſamen Mann, ſie benei⸗
den ihn, weil er eine Krone trägt! Was habe ich aber von meinem
Daſein? Mein Leben iſt Arbeit und Plage, weiter nichts! Ich arbeite
für mein Volk, welches es mir nicht dankt und einſt meinem Nachfolger,
ſei er noch ſo klein und erbärmlich, zujauchzen wird, wie es mir jetzt
zujauchzt. Denn die Liebe des Voltes zu ſeinem König iſt eine Liebe des Egoismus und der ganz nackten, erbärmlichen Berechnung. Wer
hat mich denn jemals anders geliebt? Ich trug den Freunden ein volles
Herz entgegen, ich vergaß bei ihnen, daß ich König war, ſie aber haben es nie vergeſſen, und Keiner von ihnen, Keiner von ihnen Allen hat in mir den Menſchen geliebt! Die thörichte, dumme Menge nennt mich einen Helden nnd ſpricht von Lorbeern, die meine Stirn krönen, aber von den Dornen, welche die Menſchen mir hineingeflochten, weiß man nichts! Ah, ich mag nichts mehr wiſſen von den Menſchen, es ſind niedere Sclavenſeelen, weiter nichts! Sie betrügen ſich untereinander und mich betrügen ſie Alle.*)
Wie der König ſo ſprach, fühlte er leiſe ſeinen Fuß berührt. Ein wenig erſchreckend wandte er ſeinen Blick nieder. Es war ſein Windſpiel Diana, welche ſich zu ſeinen Füßen niedergelegt hatte und mit großen, glänzenden Augen zu ihm emporſchaute.
Ueber des Königs Antlitz flog ein ſanftes Lächeln, und indem er ſich niederbeugte, das Thier, welches ihm freundlich entgegenwedelte, zu ſtreicheln, ſagte er: Du kommſt, mich daran zu erinnern, daß es doch noch Liebe und Treue auf Erden giebt, nur muß man nicht ein ſolcher Nanr ſein, ſie bei Menſchen zu ſuchen. Komm her, Diana, komm, meine
kleine Geſellſchafterin. Ich that ſehr unrecht, mich einſam zu nennen, denn Du biſt da, und dann— habe ich nicht noch meine Flöte? Das iſt auch ſo eine liebe, verſchwiegene Freundin, der man Alles anvertrauen kann und die nichts verräth! Ihr Beide ſollt heut Abend meine Ge⸗ ſellſchafter ſein.
*) Des Königs eigene Worte. 12*


