— 163— an, und ich muß geſtehen, daß er ſehr ſcharf zielte, aber— ſeine Hand
zitterte doch ein wenig, er ſchoß zu hoch, gerade über meinen Kopf weg.
Jetzt war an mir die Reihe; ich hob den Arm mit dem Piſtol empor, und ich ſchwöre es Ihnen, Madame, meine Hand zitterte nicht. Vielleicht bemerkte das Herr von Kindar, vielleicht dachte er an Sie und wünſchte zu leben, um in Ihren Armen Entſchädigung zu finden für die Angſt der letzten Tage. Genug, er rief mir zu, inne zu halten, weil er bereit ſei, zu unterzeichnen. Und er that es, Madame, er unterzeichnete meine Erklärung, welche ihn zu einem ehrloſen Schuft, zu einem gemeinen Lügner ſtempelte, er unterzeichnete ſie, zu meinen Füßen knieend und mich um Verzeihung bittend. Nachdem er das gethan, gab ich ihn frei, er⸗ laubte ich ihm zu Ihnen zurückzukehren. Ich aber fuhr zum König nach Sansſouci und bat ihn, ſofort in meine Scheidung zu willigen, und da ich, wie Sie wiſſen, ein weiches Herz habe und Ihnen niemals einen Wunſch verweigern konnte, bat ich den König, auch ſeine Einwilligung zu geben, daß Sie ſich mit dem Herrn von Kindar vermählen.
Nie, nie wird das geſchehen! rief Camilla von dem Divan auf⸗ ſpringend und zu ihrem Couſin mit dem Ausdruck tiefſten Abſcheues hinblickend.
Es wird geſchehen, Madame, ſagte der Lord feſt und gebieteriſch. Sie werden ihn heirathen, denn Sie lieben ihn ja! Sie haben um ſeinetwillen mich verrathen. Er iſt ein Feigling, eine Memme, jeder Mann verachtet ihn! Aber Sie werden ihn heirathen, denn der König hat dazu ſeine Einwilligung gegeben und er hat unſern Scheidebrief unterzeichnet. Hier iſt eine Abſchrift deſſelben. Wir haben nichts mehr mit einander zu ſchaffen, Madame, Sie ſind von dieſem Augenblick an die Braut des Herrn von Kindar, und als Brautgeſchenk erlaube ich mir, Ihnen hier die von Herrn Kindar unterzeichnete Erklärung, welche ihm das Leben gerettet hat, zu überreichen.
Er legte das Papier auf den Tiſch, dann verneigte er ſich tief vor Camillen, die bleich und entſetzt ihn anſtarrte und deren Zähne aufein⸗ anderſchlugen wie im Fieberfroſt.
Madame, ſagte er, ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen und wünſche Ihnen eine lange und glückliche Ehe!
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