Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

156

als einen Mann, welcher um Verzeihung bittet, welcher, um einem Duell zu entgehen und ſein elendes Leben zu retten, vor einem andern Manne niederknieet! Ich würde das nicht thun, obwohl ich nur eine Frau bin, und wenn ich einen Mann, der ſo handelte, geliebt hätte, ſo würde ich ihn von dem Augenblick an verachten!

Camilla hatte ſo eifrig und erregt geſprochen, daß ſie gar nicht ſah, wie Herr von Kindar zuſammenzuckte, wie er erblaßte und die Augen niederſchlug. Sie war ſo erfüllt von dem Heldenmuth und der Tapfer⸗ keit ihres beau cousin, daß ſie ſich ganz glückſelig und ſtolz davon fühlte. Ihr leichtfertiges, oberflächliches Gemüth hatte wenigſtens dieſen Inſtinct des Weibes, daß ſie an dem Manne vor allen Dingen den perſönlichen Muth und die tapfere Kraft hochſchätzte und ſeine Würde wenigſtens von ſeiner Körperſtärke verlangte, da ihr die Geiſtesſtärke ein Etwas war, welches ſie nicht zu ſchätzen vermochte.

Sie legte jetzt mit einem liebevollen, innigen Ausdruck, wie er ihr ſonſt niemals eigen geweſen, ihre beiden Hände auf die Schultern ihres Couſins und ſah ihn mit leuchtenden Blicken an.

Du biſt ſchön wie ein Gott und wie ein Held, ſagte ſie, und wie mir ſcheint, liebe ich Dich erſt recht heute, wo Du vor mir ſtehſt, als der ſtolze Beſteger meines feigherzigen Gemahls. Ach, ich hätte Dich ſehen mögen, wie Du ſtolz und groß vor ihm ſtandeſt, und Er, dieſes häßliche, zitternde Windſpiel, zu Deinen Füßen knieete und die Worte der Buße und Reue wiederholte, welche Du ihm vorſagteſt!

Es war ein prachtvoller Anblick, ſagte der beau cousin mit einem erzwungenen Lächeln, aber laß uns jetzt von etwas Wichtigerem ſprechen, Camilla. Du mußt heute noch Berlin verlaſſen und auf einige Wochen wenigſtens auf Dein Gut Dich zurückziehen, bis der erſte Sturm ſich hier gelegt hat. Wir ſind jetzt, wie Du Dir denken kannſt, die Fabel von ganz Berlin, und wenn es auch für mich ſehr ſchmeichelhaft und angenehm iſt, mit einer ſo ſchönen, jungen Frau, wie Du biſt, zuſammen genannt und als das furchtbare und gefährliche Schreckbild aller Ehe⸗ männer bezeichnet zu werden, ſo iſt es doch für Dich nicht angenehm, ſo von jeder Läſterzunge zerfleiſcht zu werden und jeder alten Jungfer, jeder prüden Heuchlerin und vorſichtigen Kokette(denn das ſind doch die Ele⸗