Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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ſie nicht überredet, Du haſt nicht, um meiner Schwäche gefällig zu ſein, ſie durch Bitten und Vorſtellungen gezwungen, wider Willen ſich zu ver⸗ heirathen?

Mein Freund, ſagte Louiſe mit dem Stolz gekränkter Mutterliebe, wie ſehr ich Dich immer liebe, würde ich doch nicht im Stande ſein, Dir das Glück meines einzigen Kindes zu opfern. Camilla bat mich um meine Einwilligung und ich gab ſie ihr, nachdem ſie auch die Einwilli⸗ gung ihres Vaters vorher ſchon erhalten hatte. Drei Tage ſchon nach der Verlobung fand die Vermählung ſtatt, und das junge Paar machte eine Hochzeitsreiſe nach England, von welcher es erſt ſeit einigen Mo⸗ naten zurückgekehrt iſt.

Und wo befinden ſie ſich jetzt?

Sie wohnen in Berlin in einer reizenden Villa in der Do⸗ rotheenſtraße, die der Lord für ſeine junge Gemahlin in ein wahres Zauberſchloß hat umwandeln laſſen. Uebrigens kannſt Du ſie heute Abend noch begrüßen, denn ſie ſind Beide hier, und— Louiſe verſtummte, und horchte auf die Stimmen, welche plötzlich die Stille unterbrachen, und immer näher und näher herankamen.

Ach, flüſterte ſie leiſe, das Sprichwort bewährt ſich:„wenn man vom Wolf ſpricht, ſo iſt er nicht weit.“ Es iſt Lord Elliot und Ca⸗ milla, welche da ſo lebhaft ſprechend herankommen. Horchen wir ein wenig. 4

Das Paar hatte ſich ihnen mehr genähert, und ſtand jetzt dicht vor der Grotte, in welcher ſich Louiſe mit ihrem Gemahl befand.

Aber ich finde es grauſam, ſehr grauſam, mir jedes unſchuldige Vergnügen verſagen zu ſollen, hörte man Camilla jetzt mit harter, un⸗ williger Stimme ſagen. Ich muß leben wie eine Nonne, welche ihr Ge⸗ lübde abgelegt hat, und Alles dies um eines Geſchöpfes willen, das ich nicht kenne, und deſſen Daſein mir nur eine Laſt und eine Beſchwerde iſt.

Alles dieſes um eines Engels willen, mit dem Gott unſere Liebe ſegnen will, erwiederte die ſanfte, wohlklingende Stimme ihres Gemahls. Alles dies für ein ſüßes, kleines Geſchöpf, das bald meine Camilla mit ihren kleinen Aermchen umranken und ſie ſeine Mutter nennen wird. Oh, meine liebe Camilla, wie kannſt Du Dich nur ſelber ſo verläſtern, zu