— 33— ſetzen wir uns hier ein wenig auf dieſe Pſeudo⸗Raſenbank und plau⸗ dern wir!
Ja, ſetzen wir uns, nur ſehe ich nicht ein, warum wir plaudern wollen. Ich möchte Dir lieber den ſchönen, lachenden Mund mit Küſſen verſchließen.
Er zog ſie wieder an ſeine Seite und wollte eben ſeine Worte zur That machen. Aber Louiſe wehrte ihn zurück. Wenn Sie nicht ganz ruhig und ernſthaft neben mir ſitzen wollen, mein Herr, ſagte ſie, ſo entfalte ich ſogleich meine Libellenflügel, von denen Sie vorher ſprachen, und flattere von Ihnen fort.
Nun denn, ich werde ruhig und ernſthaft ſitzen. Aber wird meine
ſpröde Gebieterin mir ſagen, warum ich das ſoll?
Darum, weil ich meinem guten heimkehrenden Petz die erſte Lection geben will. Dieſe Lection lautet alſo: Wenn ein Mann ſieben Jahre von ſeiner Gemahlin fern geweſen iſt, ſo muß er nicht als ruhiger, ſiegesgewiſſer Ehemann mit ſeiner Portion hausbackener Zärtlichkeit zurück⸗ kommen, ſondern einzig und allein als zarter und aufmerkſamer, ver⸗ liebter Cavalier, der um die Geliebte wirbt, ſich ihr demüthig, ſchüchtern und unterwürfig naht und in ihr nicht ſeine Frau, ſondern die Dame ſieht, deren Liebe er erringen möchte.
Aber weshalb ſollten wir zu ſolcher Verſtellung unſere Zuflucht nehmen müſſen, da wir doch wiſſen, daß Ihr uns liebt?
Nichts wißt Ihr! Wie könnt Ihr Euch einfallen laſſen, zu glau⸗ ben, daß dieſe ſieben Jahre ſpurlos an uns vorübergegangen ſind und daß wir heute noch ſo fühlen, wie wir es damals gethan? Wenn man den Vogel, den man im Käfig zahm gemacht und ihm die Flügel be⸗ ſchnitten, wieder freigiebt und ihn aus ſeinem Käfig entläßt an die friſche, freie Gotteswelt, und in die jauchzende und lachende Natur, wird er dann nach Jahren, wenn es Euch einfällt, ihn wieder in Euern Käfig einſperren zu wollen, wieder freiwillig und freudig ſogleich zurückkehren? Ich glaube, Ihr werdet ihn erſt lange locken, ihm erſt mit vielen ſchönen Worten ſchmeicheln und ihm köſtliche Leckerbiſſen in Euern Käfig legen müſſen, ehe er ſich bequemt, ſeine goldene Freiheit wieder aufzugeben
und Euch wieder zu ſeinem Herrn anzunehmen. Wenn Ihr's aber mit Mühlbach, Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2 Abthl. III. 3
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