Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Anblick, der ſich hier dem Auge darbot. Wie durch Zauberei fühlte man ſich aus dem parquettirten, ſteifen Hofſalon plötzlich in die freie, duf⸗ tende und blühende Natur verſetzt; mit Entzücken athmete man den Duft dieſer wundervollen, ſeltenen Blüthen ein, die in maleriſcher Anordnung zwiſchen dem Grün der hohen Myrthen und Orangen hervorquollen, welche die Fenſter und das Dach der Halle ganz überdeckten und die Illuſion gewährten, als wandle man wirklich in einer offenen, freien Blumenallee dahin. Bunte chineſiſche Ballons, welche an feinen Keiten von der Decke herniederhingen und wie gaukelnde Schmetterlinge zwiſchen den Blüthen und Bäumen zu ſchweben ſchienen, warfen ihr mattes, in allen Farben ſpielendes Licht durch dieſe reizende Halle, an deren Seiten man hier und dort aus Myrthen, Palmen und duftenden Gewächſen kleine Grotten gebildet hatte. Dieſe Grotten enthielten kleine, ſchwellende, grüne Divans, wie Raſenbänke anzuſchauen, und waren ſo arrangirt, daß die Zweige der Palmen ſich tief herabneigten über den Sitz, und Diejeni⸗ gen, welche da ruhten, wie mit einem Schirm einhüllten und ver⸗ bargen.

Zu einer dieſer Grotten führte Louiſe du Trouſſel jetzt ihren Ge⸗ mahl hin.

Hier wollen wir ein wenig bleiben, ſagte ſie. Dieſe Grotte hat den Vortheil, daß ſie an der Ecke der Wand liegt, alſo nur eine offene Seitenwand hat, und dieſe iſt mit dichtem Geſträuch gruppirt. Wir haben alſo hier keine Lauſcher zu fürchten und können uns ganz offen und harmlos mit einander unterhalten. Vor allen Dingen alſo: Will⸗ kommen, mein Herr Gemahl, willkommen in der Heimath!

Gott ſei Dank, Louiſe! ſagte der Major tief aufathmend, Gott ſei Dank, daß Du endlich ein inniges Wort zu ſagen weißt und mich will⸗ kommen heißt an Deiner Seite. Glaube mir nur, daß ich alle dieſe Jahre hindurch mich jeden Tag auf dieſen Moment gefreut habe, daß dies mein Troſt und meine Erquickung war. Ich glaube wahrhaftig, daß dieſe Gedanken an Dich und dieſe herzliche Sehnſucht nach Dir der Talisman geweſen, der den Tod von mir fern gehalten. Mir ſchien immer, es ſei ganz unmöglich zu ſterben, bevor ich Dich wiedergeſehen, und ich war ganz trotzig überzeugt davon, daß ich den Krieg überdauern,