— 29.—
köſtliches Amüſement war. Sie Alle wußten, was der Prinz allein nicht ahnte, daß der Graf Kalkreuth die Prinzeſſin anbete, und ihrer lauern⸗ den Neugierde blieb nur noch übrig zu erſpähen, ob die Prinzeſſin dieſe Neigung theile als Weib, oder ſie nur dulde als Kokette.
Niemand indeß hatte dieſer Scene mit ſo athemloſer Theilnahme, ſo grauſamer Freude zugeſchaut, als Madame du Trouſſel. Die Prin⸗ zeſſin hatte ſie, als zu dem vertrauteren Geſellſchaftskreiſe von Rheins⸗ berg gehörig, auch zu dieſem heutigen Feſt des Wiederſehens eingeladen, und Louiſe hatte es ſehr pikant gefunden, ihren eigenen Gatten nicht in ihrem Hauſe, ſondern hier im Schloſſe ihres einſtigen Geliebten zuerſt wiederzuſehen. Denn der Major du Trouſſel gehörte zu dem General⸗ ſtab des Prinzen und war jetzt in ſeinem Gefolge nach Rheinsberg ge⸗ kommen.
Louiſe indeß hatte bis jetzt nicht Zeit gefunden, den Gatten zu be⸗ grüßen. Ihre Blicke waren unverwandt auf die Prinzeſſin gerichtet, ſie beobachtete jede ihrer Bewegungen, jede ihrer Mienen, ſie belauſchte jedes Lächeln, jedes Wort, jedes Zucken ihrer Lippen. Ihr Gatte ſtand lange ſchon an ihrer Seite und hatte ihr lange ſchon leiſe Worte der Begrü⸗ ßung zugeflüſtert, aber Louiſe hatte nicht darauf geachtet. Sie ſchien den Gemahl gar nicht geſehen zu haben, ihre ganze Seele lag in ihren Augen, und dieſe beobachteten unverwandt die Prinzeſſin. Jetzt auf ein⸗ mal wandte ſie ſich mit leuchtenden Augen zu ihrem Gemahl hin, und ihn mit einem leichten Kopfnicken begrüßend, flüſterte ſie mit einem bos⸗ haften Lächeln: Er iſt verloren! Die Lorbeeren werden nicht im Stande ſein, das andere Gewächs zu bedecken, welches von heute an mächtig aus ſeiner Stirn emporſchießen wird!
Ihr Gemahl ſah ſie mit erſtaunten und fragenden Blicken an. Iſt das Dein Willkommengruß nach ſieben Jahren der Trennung, Louiſe? fragte er ſchmerzlich.
Sie legte haſtig ihre Hand auf ſeinen Arm und flüſterte: Still! Still!
Dann lauſchte ſie wieder hinüber nach der Prinzeſſin, welche ſich eben lebyaft mit ihrem Gemahl uas Kalkreuth unterhielt. Wie ihre Wangen glühen 1 den Blicke ſie auf ihn


