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Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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weinende Mütter, Weiber und Kinder mit gramumdüſterten Zügen ihr Antlitz dem Lande zukehrten, welches ihnen das Theuerſte geraubt, und ſie ſogar um das ſchmerzlich ſüße Glück gebracht alie auf den Grä⸗ bern ihrer Todten zu weinen und zu klagen.

Aber nicht blos nach Menſchen berechneten die Staaten und Völker ihre Verluſte, nicht blos nach vergoſſenem Blut, ſondern auch nach dem, welches das Blut des Staatskörpers iſt, nach dem Gelde.

England hatte während dieſes Krieges ſeine Schuldenlaſt um ſiebenzig Millionen Pfund Sterling vergrößert, ſo daß es jetzt jährlich an Zinſen ſeiner Schulden allein vier und eine halbe Million Thaler zu zahlen

hatte; Oeſterreich berechnete jetzt ſeine Staatsſchulden auf fünfhundert Milllionen Gulden; Frankreich auf zweitauſend Millionen Livres; Schwe⸗

den war dem Bankbruch nahe, und das unglückliche Sachſen hatte während des Krieges an Kontributionen und Lieferungen über ſiebenzig Millionen Thaler an Preußen zahlen müſſen.

Preußen hatte im ſtrengen Sinne des Worts keine Schulden gemacht, aber es war dennoch ebenſo ſchlimm daran, wie die Uebrigen, denn es hatte entwerthetes Geld, das nur der Zwang des Krieges im Cours erhalten, das jetzt aber Niemand anerkennen wollte. Mit dieſem entwertheten Gelde war ganz Preußen überſchwemmt, man hatte damit die Beamten bezahlt, die Zinſen entrichtet, die Geſchäfte an der Börſe gemacht, ſo daß es jetzt am Ende des Krieges allen Denen, welche in ihren Taſchen dieſes ſchöne, blinkende Geld Ephraims*) tru⸗ gen, erging, wie es den Reichen im Mährchen ergeht: die blinkenden Goldſtücke, welche ſie in der Nacht geſammelt, hatten ſich am Morgen in erloſchene Kohlen verwandelt. An dieſem werthloſen Gelde allein war man reich; von dieſem Gelde allein fanden ſich in des Kriegszahl⸗ mneſſters Verwahrjem bei'm Ende des Krieges noch zweimalhunderttau⸗

5) Der Iude Ephraim, dem Friedrich für eine hohe Summe die Münz⸗ prägung verpachtet hatte, ſchlug in den letzten Kriegesjahren ſo ſchlechtes und gehaltloſes, dabei aber ſo gut geſottenes und glänzend erſcheinendes Geld, daß der Volkswitz, der dieſe Thaler nur die Ephraimiten nannte, von ihnen ſagte:

Von Außen ſchön, von Innen ſchlimm, Von Außen Friedrich, von Innen Ephraim.