— VIII—
dann erinnerte ich mich immer wieder jener allerliebſten Anecdote, wie einſt ein deutſcher Gelehrter Abends bei Friedrich dem Großen eine Audienz hatte. Es war dies das erſte Mal, daß der Ge⸗ lehrte dem großen Könige gegenüberſtand, und in dieſes große fun⸗ kelnde Feuerauge blicken durfte. Auch fühlte er ſich ganz verwirrt, ganz beklommen, und wenn der gewaltige Blick des Königs auf ihm ruhte, hatte der deutſche Gelehrte ein Gefühl, als ob er unter dieſen Blitzen des Zeusauges zu Staub zerfiele. Er gab nur ſtot⸗ ternde, verlegene Antworten, er hörte in ſeiner Verwirrung kaum, was ihn der König fragte. Friedrich aber hatte Mitleid mit ſeiner Verwirrung; mit einem ſanften Lächeln trat er zu dem Tiſch, und blies die Wachslichter auf dem Armleuchter aus. Sie waren jetzt im Dunkeln, aber der König ſetzte ruhig, als ſei nichts ge⸗ ſchehen, die Unterhaltung fort. Der Gelehrte, nicht mehr getroffen von den Blitzen des königlichen Auges, gewann ſeine Faſſung und Ruhe wieder und ging nun mit Lebhaftigkeit und Geiſt auf die Unterhaltung des Königs ein.
An dieſe Anecdote, wie geſagt, erinnerte ich mich oft, wenn
ich es wagte dem großen König gegenüber zu treten, und oft, wenn ich die Feder in die Hand nahm, habe ich ganz laut den Geiſt des großen Königs gebeten, das Licht auszublaſen, damit ich nicht geblendet würde von ſeinen Blicken, ſondern meinen Geiſt ſammeln und in meiner Unterhaltung mit Friedrich wenigſtens die beſte Kraft meiner Gedanken ausſprechen könnte.
Aber das Lichtausblaſen hat mich doch immer noch nicht be⸗ fähigt, meinen Stoff ſo zu bewältigen, ſo ſeiner Herr zu werden, wie ich fühle, daß es ſein müßte. Ich habe leider noch niemals dieſes beſeligende Gefühl, dieſe ſich im eigenen Glanze ſonnende Selbſtgenügſamkeit gehabt, wie ſie heut zu Tage die meiſten unſerer


