ſoll mich zwingen, einem ſchnellen und entſchloſſenen Tode ein kraftloſes Alter vorzuziehen, voller Verdruß und Schmach, voll Betrübniß über vergangenes Glück und voll Beleidigungen!— Ich werde Alles wagen, ich werde zur Erreichung meiner Pläne die kühnſten Dinge unternehmen oder einen ehrenvollen Tod ſterben!*)
Aber nein! nein! fuhr der König nach einer kurzen Pauſe lächelnd fort. Ich will nicht mehr ſo trübe und verzweifelte Gedanken an einem Tage hegen, der mir nach ſo langen Gewitterſtürmen den erſten Strahl der Sonne zeigt. Vielleicht mag das Jahr zweiundſechzig ein glückliche⸗ res ſein, wie das verfloſſene.**) Schon ſtehe ich nicht mehr allein; auch ich habe jetzt meine Freunde und Bundesgenoſſen. Was kümmert es mich, daß die Welt meine neuen Freunde Ungläubige nennt und mit ſtolzem Chriſtendünkel zu ihnen herniederſieht. Ich habe Chriſten ſich untereinander zerfleiſchen, ſich höhnen und verrathen, ſich morden und
**) Die ganze Rede enthält nur des Königs eigene Worte. Siehe Oeuvres de Frédéric le Grand. Vol. 19. p. 130.
*) Dieſe Ahnung des Königs betrog ihn nicht. Denn ſchon im Beginn des Jahres 1762 ſtarb die Kaiſerin Eliſabeth von Rußland, und ihr Nachfolger, Peter III., ein leidenſchaftlicher Verehrer Friedrich des Großen, ward jetzt Preußens Bundesgenoſſe, und ſeine Truppen, die bisher gegen den König ge⸗ kämpft, mußten jetzt für ihn in's Feld ziehen. Katharina veränderte dieſe Anord⸗ nungen ihres Gemahls nicht, ſondern blieb Preußens Bundesgenoſſe, und da auch Frankreich vom Kriegsſchauplatz zurückgetreten war, ſah Oeſterreich ſich endlich
im Jahre 1763, weil ſeine Kaſſen ganz erſchöpft waren, genöthigt, den Frie⸗
den mit Preußen abzuſchließen.— Wegen der veränderten Zuſtände in Rußland bedurfte Friedrich nun auch des Tartariſchen Bundesgenoſſen nicht mehr und Krimgirai, der ſchon auf dem Marſch geweſen, kehrte mit ſeinem Heer in die Heimath zurück. 1769 aber viefen die Polen ihn zur Hülfe wider Rußland auf, Krimgirai zog mit einem bedeutenden Heer zu ihnen, ward aber unterwegs von dem im ruſſiſchen Solde ſtehenden griechiſchen Arzt Siropulo vergiftet. Als er ſich ſterben fühlte, befahl er ſeinen Muſici zu ſpielen, damit er, wie er zum Baron von Tott ſagte,„heiter und ſüß einſchlafen könne.“ Dies geſchah. Unter den ſchmelzenden Tönen hinſterbender Muſik hauchte Krimgirai ſein Leben aus, Ende Februar 1769.(Siehe Mémoires du Baron de Tott sur les Turcs et les Tartares. Vol. II. p. 206.)


