Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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fahren des Königs und fordert das von ihm als ein heiliges Recht. Die Kaſſen des Königs ſind nicht erſchöpft, denn ſein Volk hat mit freudiger Bereitwilligkeit ſein Hab' und Gut, ſeine Juwelen und Schätze, ſeine goldenen Kleinodien auf dem Altar des Vaterlandes geopfert, und unter⸗ zieht ſich mit Begeiſterung jeder Einſchränkung und Entbehrung, welche der Krieg ihm auferlegt. Es will nichts als ſeinen König ſiegen ſehen, und ihm dazu zu helfen, iſt es mit ſeinem Hab' und Gut, ſeinem Leben und Blut bereit. Dieſe begeiſterungsſtarke Liebe ſeines Volkes, das iſt es, was den König ſeinen Feinden furchtbar macht, das iſt es aber auch, was den König wie mit einem diamantenen Panzer umgiebt, ihn ſtählt gegen die Kugeln ſeiner Gegner, und ſeine ſtolze, edle Heldenſeele mit ſiegesfreudiger Begeiſterung erfüllt. Und ganz Europa theilt dieſe Begei⸗ ſterung und dieſe Siegesgewißheit des preußiſchen Volkes und ſeines Königs, ganz Europa jauchzt dem Helden zu, der ſo vielen, ſo mächtigen Feinden nicht allein Trotz bietet, ſondern ſie ſchon oft beſiegt hat und dem ſie noch nichts haben abgewinnen können, nicht Eine Strecke dieſes Landes, das ſie mit ihrem Blut gedüngt haben, und auf dem ſich die Rieſengräber ihrer gefallenen Schaaren erheben. Das hat ihm die Sym⸗ pathien von ganz Europa und die Liebe und Bewunderung ihrer eigenen Völker abgewonnen. In Frankreich ſelbſt, dieſem Frankreich, deſſen Krieger eine ſo ſchimpfliche Niederlage bei Roßbach erlitten, und deſſen Regierung voll Wuth und Rache gegen den Heldenkönig erfüllt iſt, in Frankreich ſelbſt wird Friedrich bewundert und angebetet. Ja, ſelbſt bis in den Palaſt des Königs iſt ſchon die nicht mehr abzuweiſende Aner⸗ kenntniß ſeines Heldenſinnes gedrungen, denn als jüngſt der Herzog von Velleisle die Marquiſe von Pompadour ermahnte, bei König Ludwig darauf zu dringen, daß der Krieg mit Nachdruck fortgeſetzt werde, ſonſt möchte König Friedrich mit ſeiner Armee nächſtens in Paris einrücken, da rief die Marquiſe lächelnd:„Gut! Dann werde ich doch endlich einen König ſehen.“— In Deutſchland ſucht man vergebens den Glau⸗ bens⸗Fanatismus der Völker gegen den Ketzerkönig zu wecken. Die katholiſchen Baiern, die Pfälzer, die Mainzer ziehen nur noch murrend und widerwillig in den Krieg gegen den proteſtantiſchen König, obwohl ſie den Roſenkranz in der Taſche und das Scapulier über die Schulter