Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

II. Friedrich der Große als Heiliger.

Und jetzt zu den Geſchäften! ſagte der Reiſende lächelnd, nachdem er mit ſeinem Diner zu Ende war. Es iſt die höchſte Zeit meinen Weg anzutreten, damit ich wo möglich noch heute weiterreiſen kann.

Er eilte zu ſeinem Koffer und nahm daraus verſchiedene Pakete und Rollen hervor, die er theils in die Taſchen ſeines Rockes verſenkte, theils wie ein echter Handelsmann unter den Arm nahm. Dann ſetzte er ſeinen breitgekrempten, ſchwarzen Filzhut auf und ſchickte ſich an zu gehen. Aber wie er vor dem großen Spiegel vorüberkam, blieb er ſtehen, und betrachtete ſich ſelber mit einem lauten und fröhlichen Lachen.

Wahrhaftig, ſagte er, ich habe durchaus das Anſehen eines echten Spießbürgers und Krämers, und wer mich für etwas Anderes hält, als für einen ehrbaren Handelsmann, der muß eine noch politiſchere Naſe haben, wie mein Herr Wirth, Signor Montardo, der Pruſſiano!

Er drehte ſich lachend auf dem Abſatz herum und verließ das Zimmer, um hinunter zu gehen und den Wirth um einige kaufmänniſche Adreſſen und einen Wegweiſer zu bitten.

Signor Montardo ließ es ſich indeſſen nicht nehmen, ſeinen Gaſt ſelber zu geleiten und ihm perſönlich bei ſeinen Geſchäftswegen hülfreich zu ſein.

Es könnte ſonſt leicht irgend ein Kaufmann Sie anreden und zu ſich rufen, ſagte er, der nicht von unſerer Partei iſt, und wenn Sie dem Ihre Fächer zeigen wollten, ſo würde das einen raſenden Scandal geben, denn die Tereſiani ſind eben ſo hitzig, wie wir, und es ſind hier ſchon manche Schlägereien und Kämpfe unter den Tereſiani und Pruſſiani vorgefallen. Kommen Sie alſo, mein Herr, ich geleite Sie! Wir wollen nicht durch die Kanäle fahren, ſondern durch die kleinen Calli gehen, die uns ſchnell zur Riva di Schiavoni und auf den Rialto führen, denn das iſt unſer Ziel.