——
— 141—
Ich habe es vorgezogen, zu Ihnen zu kommen, Excellenz, ſagte Loudon mit etwas ſcharfem, gereizten Ton, Sie haben hier ein größeres Zimmer, während ich in meiner Hütte kaum Raum gefunden hätte, Sie mit Ihren Adjutanten willkommen zu heißen.
Auch kommen Sie gerade zur gelegenen Stunde, Herr General, ſagte Soltikow mit einem ſtolzen Lächeln, denn Sie ſehen wohl, wir wollten eben einen Kriegsrath halten und überlegen, was jetzt ferner zu thun ſei.
Ueber Loudon's Antlitz flog ein düſterer zorniger Ausdruck und ein Blick ſeiner Augen traf das lächelnde Antlitz Soltikow's.
Unmöglich, General, konnten Sie Kriegsrath halten wollen ohne mich! ſagte er haſtig.
O, ſeien Sie unbeſorgt, General, rief Soltikow lächelnd, ich würde Sie ohne Zweifel von unſeren Beſchlüſſen ſofort in Kenntniß geſetzt haben!
Nur meine ich, daß Sie gar keine Beſchlüſſe ohne mich faſſen konnten, ſagte Loudon, deſſen Stirnader ſchon zu ſchwellen begann.
Soltikow verneigte ſich mit ſeinem unveränderten, übermüthigen Lächeln. Streiten wir uns nicht, Excellenz, über Dinge, die noch nicht geſchehen ſind, ſagte er. Der Kriegsrath hatte noch nicht angefangen, aber jetzt, da Sie da ſind, General, kann er ohne Zweifel beginnen. Nur erlauben Sie mir zuvor, dieſe Depeſche zu unterzeichnen, in welcher ich meiner gnädigen Kaiſerin ſo eben den Sieg gemeldet habe, den die ruſſiſchen Truppen heute über die Armee des preußiſchen Königs erfochten.
Ah, General, da bin ich Ihnen alſo zuvorgekommen, rief Loudon ſtolz, die Depeſche iſt ſchon abgegangen, in welcher ich meiner Kaiſerin den Sieg melde, den die öſterreichiſchen Truppen heute über die Armee des preußiſchen Königs erfochten haben.
Soltikow warf das Haupt ſtolz zurück und ſeine kleinen grauen Augen ſchoſſen zornige Blitze hinüber nach dem öſterreichiſchen General. Aber dieſer begegnete denſelben mit einem lächelnden, ruhigen Blick und fuhr fort: ich verſichere Sie, Excellenz, die Begeiſterung über unſeren glorreichen Sieg hat diesmal meine ungelenke Zunge förmlich beredt gemacht, und ich habe meiner Kaiſerin maleriſch den Moment geſchildert,


