Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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um die Ecke ſchlüpften, von dem Stamm eines Baumes geborgen, der hier die Hütte beſchattete, machte lautes Commandowort und eine allge⸗ meine Bewegung in den Reihen der auf dem Platze verſammelten Sol⸗ daten ſie ſtillſtehen.

Die Officiere ſtellten ſich in Reihen, die Schildwachen ſchulterten, die Soldaten traten unter's Gewehr, denn aus dieſer Hütte links war ſo eben der öſterreichiſche General Loudon, umgeben von ſeinen Stabs⸗ officieren, auf den Platz hinausgetreten. Freundlich grüßend ſchritt er an den Officieren vorüber und näherte ſich mit ſeinen Begleitern dem zweiten Hauſe. Die Koſacken, welche vor der Thür an der Erde kauer⸗ ten, richteten ſich auf und präſentirten das Gewehr. Der General aber blieb ſtehen und der Mond, der eben hell und voll ſein Antlitz beleuch⸗ tete, ließ ſehr deutlich die finſtere Wolke erkennen, welche die Stirn des öſterreichiſchen Generals beſchattete, der es als eine Demüthigung em⸗ pfand, daß Er es ſein mußte, der dem ruſſiſchen Bundesgenoſſen die Honneurs machte. 3

Während Loudon wartete, waren die beiden preußiſchen Grenadiere vorſichtig zu der zweiten Hütte herangeſchlichen.

Laß uns nach der Hinterſeite gehen, flüſterte Karl Heinrich. Da ſtehen keine Schildwachen und vielleicht finden wir eine Thür, durch welche wir in's Haus ſchleichen können.

Die Hinterſeite der Hütte war mit einem kleinen Garten umgeben, deſſen dichtes Geſträuch den beiden Grenadieren hinlänglichen Schutz gewähren konnte. Leiſe und geräuſchlos ſprangen ſie über den niedrigen Bretterzaun, der das Gärtchen umfaßte, und im nächſten Geſträuch ſich verbergend, recognoscirten ſie das Terrain. Keine einzige Schildwacht ſtörte ſie in ihren Betrachtungen, und ungeſehen und ungefährdet konnten ſie es wagen, ſich dem Hauſe noch mehr zu nähern.

Wie ſie jetzt aus dem Gebüſch hervortraten, faßte Fritz Kober heftig ſeines Freundes Arm, und nur mit Mühe unterdrückte er den Freuden⸗ ruf, der ſich aus ſeiner Bruſt hervordrängte.— Und allerdings, der Anblick, der ſich ihnen jetzt darbot, war wohl geeignet, das Herz der beiden tapfern Soldaten zu erfreuen, denn ſie hatten ihr Ziel erreicht und waren jetzt im Stande, die Wünſche ihres Königs zu erfüllen.