Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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er es gewagt hat, dem heiligen Vater zu Rom gegenüberzutreten. Die Beleidigungen, welche er der Königin von Polen zugefügt, müſſen ge⸗ rächt werden, und nicht eher wollen wir ruhen, als bis wir ihn zerbrochen und gedemüthigt um ſchmachvollen Frieden ſo betteln ſehen, wie einſt Heinrich der Vierte zu Canoſſa im Büßergewand um Gnade flehte. Aber wo ſind die Mittel, ſo große Zwecke zu erreichen, wo?

Er ging wieder haſtig und ſchweigend auf und ab, das Haupt zu⸗ rückgelehnt, den trotzigen kalten Blick aufwärts gerichtet.

Ihn zu tödten? fragte er plötzlich, als antworte er den Stimmen, welche in ſeinem Innern flüſterten. Das wäre ein elendes und ſchwäch⸗ liches Mittel, und es würde uns nicht zum Ziel führen, es würde ihn nicht demüthigen, ſondern ſeinen Lorbeeren noch die Märtyrerkrone hin⸗ zufügen. Oder mindeſtens iſt jetzt nicht die Zeit dazu. Wenn er aber gedemüthigt iſt, wenn wir dieſer Schlacht von Hochkirch neue Siege über ihn hinzugefügt haben, wenn wir ihm Schleſien genommen, und Sachſen gerächt haben, dann mag es geſchehen. Dann werden wir eine ſichere Hand ſuchen, welche einen Dolch zu führen verſteht, und dann werden wir ſie finden. Bis dahin Schweigen und Vorſicht. Bis dahin muß dieſer Kampf fortgeſetzt werden mit allen Waffen, welche Klugheit und Liſt uns in die Hände ſpielen. O, und ich meine doch, daß meine Waffen ſcharf und gut ſind und wohl im Stande, einen tüchtigen Stoß zu führen. Und ſie ſind dabei ſo unſcheinbar, fuhr er lachend fort, eine verſchmitzte Kartenſchlägerin, eine verliebte Närrin, eine vornehme Co⸗ quette und ein armer Gefangener, das ſind meine Waffen, und mit dieſen will ich es verſuchen, gegen den Mann zu kämpfen, den ſeine Schmeichler den Heldenkönig von Preußen nennen!

Er lachte laut auf, aber es war ein grimmiges, drohendes Lachen, das ihn ſelber erſchreckte. Hinunter, hinunter, Ihr böſen Geiſter, ſagte er, drängt Euch nicht ſo keck auf meine Lippen, welche jetzt nur ſanfte Worte und zärtliche Seufzer kennen dürfen. Schweigt, Ihr Dämonen, kriecht zurück in mein Herz, und da, in einem Winkel zuſammengekauert, mögt Ihr zuhören und prüfen, ob ich meine Rolle gut ſpiele. Es iſt Zeit! Es iſt Zeit! Ich muß einmal wieder meine Waffen vrüien⸗ ob ſie noch gut ſind.