Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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wie ich mich ganz ernſthaft mit dieſer armen Königin von Preußen un⸗ terhalte, welche ein ernſthaftes Geſicht macht, wenn man von der Pucelle d'Orleans ſpricht, und ſich den Anſchein giebt, als habe ſie Crebillon gar nicht geleſen. Sagen Sie doch, Herr von Giurgenow, geht es an Ihrem Hof zu Petersburg auch ſo ſteif und gemeſſen zu, wie hier an dem preußiſchen?

Herr von Giurgenow lachte laut auf. Unſere Kaiſerin Eliſabeth iſt ein Engel an Schönheit und Güte, ſagte er dann, großmüthig und milde gegen Jedermann, ſich ſelbſt ſtets opfernd, um Anderen Freude zu machen. Im vorigen Jahre gab ſie ihrem Leibregiment einen Ball. Sie tanzte mit jedem der Soldaten, und nippte aus jedem Glaſe, und wenn die von ſo viel Huld begeiſterten Soldaten etwas freie Scherze wagten, ſo lächelte die gütige Kaiſerin dazu und verzieh es ihnen. Sie tanzte die ganze Nacht hindurch und bezauberte Jedermann durch ihre Leutſeligkeit und Grazie, und von dieſem Tage an wandte ſie ihre Gnade dem glücklichen Ruſtuſchew zu, welcher bis dahin ein armer Unterofficier geweſen, und jetzt ein Fürſt und der reichſte Herr in ganz Rußland iſt.

Oh, es ſcheint, Ihr Rußland hat etwas Aehnlichkeit mit meinem ſchönen Frankreich, rief der Herr von Belleville freudig. Aber wie ſteht es mit Ihnen, Herr Graf Ranuzi. Gleicht der öſterreichiſche Kaiſerhof dem unſrigen, oder dieſem langweiligen preußiſchen?

Er gleicht nur ſich ſelber, rief der Italiener ſtolz. Wir haben in Wien einen Gerichtshof der Keuſchheit und Tugend, und die Kaiſerin Maria Thereſia iſt die erſte Präſidentin deſſelben.

Diable, rief der Franzoſe, wie würde es Ihrer ruſſiſchen Kaiſerin und meiner ſchönen Marquiſe ergehen, wenn dieſe Beide vor dem Tu⸗ gendgerichtshof ihrer edlen Bundesgenoſſin erſcheinen müßten. Aber, Herr von Giurgenow, Sie vergeſſen, daß Sie uns Etwas aus dieſer Zeitung mittheilen wollten über den Prinzen Heinrich.

Es iſt indeſſen nichts von Belang, ſagte der Ruſſe gleichgültig. Der Prinz Heinrich, heißt es da, iſt jetzt ganz wieder von ſeinen Wun⸗ den geneſen und hat ſich im Winterlager zu Dresden mit der Darſtellung von franzöſiſchen Bühnenſpielen beluſtigt. Ja, er ſelber iſt darin als Acteur aufgetreten, und hat in Voltaire's enfant prodigue die Rolle des