Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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wußte das. Selbſt die Königin hatte ihren Gemahl vergeblich darum gefragt und von ihm keine Auskunft erhalten.

Dieſer lange Zug geputzter, von Blumen, Brillanten, Uniformen und Ordenskreuzen ſtrahlender Menſchen bot indeß einen ſehr glän⸗ zenden, ſehr heitern und feſtlichen Anblick dar; man hätte glauben mögen, es ſeien die Hochzeitsgäſte, welche in feierlicher Prozeſſion ſich nach der Kirche begaben, um dort der Trauung eines glücklichen Brautpaares beizuwohnen. Aber die Beiden, welche dem Zuge voran ſchritten, ſahen nicht aus, wie ein glückliches Brautpaar. Der König blickte mit gerunzelter Stirn, mit feſt aufeinandergepreßten Lippen ſtarr „ vor ſich hin. Die Königin ſah bleich und erſchrocken aus und ihre

Augen irrten unſtät umher, als ſuchten ſie überall irgend eine Ge⸗ fahr, ein nahendes Schreckniß.

So ging der Zug ſchweigend und ernſt durch den von Blumen

duftenden Tanzſaal und die glänzend erleuchteten Vorzimmer. So ging es weiter über den Corridor und die breite, mit Teppichen be⸗ legte Treppe hinauf und wieder jetzt den Corridor entlang bis zu jener großen Thür dort, die zu dem von Friedrich Wilhelm ange⸗ legten und ausgeſchmückten„weißen Saal“ führte.

Wir ſind zur Stelle! ſagte der König, indem er ſelber die Thür öffnete und die Königin in den Saal führte.

Aber plötzlich ſtieß Sophie Dorothea einen Schrei aus und tau⸗ melte einige Schritte rückwärts, während man hinter ihr die neugie⸗ rigen, erſtaunten und erſchrockenen Geſichter der Hofleute ſah, welche ſich eiligſt durch die Thür in den Saal vordrängten.

Zwei Särge, murmelte die Königin entſetzt, indem ſie ihre ſcheuen Blicke bald auf die ernſten, prunkenden Särge richtete, bald in dem großen Saal umherſchweifen ließ und angſtvoll auf die hohen ernſten Geſtalten der marmornen Churfürſten heftete, die in feier⸗ licher Ruhe in dieſem Saale des Todes Wache hielten bei den Sär⸗ gen der Lebendigen.

Ja, zwei Särge! ſagte der König rauh und ſtrenge. Unſere Särge, Sophie! Und in dieſer Stunde wollte ich ſie Dir und dem verſammelten Hofe zeigen, damit ihr Anblick Euch Alle aufrüttle aus