Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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J. Die Rönigin Sophie Dorothea.

Die Säle ſtrahlten wieder im Glanz der Lichter, die Lakaien liefen hin und her, und ordneten hier und dort die Seſſel und Ta⸗ bourets; der Hofgärtner warf einen letzten prüfenden Blick auf dieſe Blumengruppen, welche er in den Sälen aufgeſtellt, und in der Bildergallerie ordnete der Haushofmeiſter die Tafel, welche die Gäſte der Königin heute mit reicheren Genüſſen als ſonſt beglücken ſollte.

Alles hatte heute ein glänzenderes, üppigeres und köſtlicheres Anſehen, als dies ſonſt im Königsſchloſſe zu Berlin der Fall zu ſein pflegte, alle Geſichter waren vergnügter, unbefangener wie gewöhnlich, die Lakaien ſelber lächelten und waren guter Dinge, denn ſie wußten, daß ſie heute einen Abend ohne Schläge und Fußtritte, ohne grim⸗

mige Scheltworte und zitternde Angſt zu erwarten hatten, da der

König nicht bei dieſem Feſte erſcheinen konnte, das er ſeiner Gemahlin aufgetragen dem Hofe und dem Adel zu⸗ geben.. Der König war krank! Das Podagra feſſelte ihn an ſeinen Rollſtuhl und ſeine Zimmer, und in ſchlafloſen Nächten war in dem Herrſcher Preußens eine dumpfe Ahnung aufgeſtiegen, daß es bald zu Ende ſein mögte mit der Herrſchaft Friedrich Wilhelms des Erſten, daß die Pforten des königlichen Erbbegräbniſſes ſich bald öffnen mögten, um eine neue königliche Leiche aufzunehmen, daß bald ein neuer König den preußiſchen Thron beſteigen mögte. Dieſer letzte Gedanke erfüllte das Herz des Königs mit Zorn und Bitterkeit. Friedrich Wilhelm wollte nicht ſterben, damit nicht Friedrich der Große. I. 1