— 2—
mächtige Coloß, der Elephant, ſelbſt kann gedemüthigt und bezwungen werden, daß er ſanft wird und furcht⸗ ſam und geduldig. Wie? Sollte es denn kein Mittel geben, dieſen jungen königlichen Löwen zu zähmen und ihn ein wenig in Banden zu ſchlagen? Mein Gott, was ſind wir denn, wenn er frei bleibt? Dienſtthuende Laſtthiere ſeiner willkührlichen Launen, weiter nichts; verdammt, gehorſam den Willen unſeres Herrn auszu⸗ führen und ſelber gar keinen Willen zu haben. Ge⸗ ſtehen Sie, lieber Freund, daß das eine ſehr beklagens⸗ werthe Rolle iſt und daß das ſehr wenig den kühnen und ehrgeizigen Hoffnungen entſpricht, die wir Beide ſchon ſo lange genährt haben. Mein Gott, ſollte es möglich ſein, daß wenn der Kämmerer des Königs und ein ſo alter erfahrener Hofmann, wie ich es bin, ſich mit einander verbinden, dieſes königliche Wild, auf welches ſie Jagd machen, ihren künſtlichen und wohl aufgeſtellten Netzen immer entgehen könnte? Lieber Freund, das darf nicht ſein, das kann nicht ſein, es wäre eine ewige Schande für uns Beide. Es iſt ein ganz unerhörter Fall, daß ein König keine einflußreichen und mächtigen Günſtlinge haben ſollte, Friedrich ſoll und muß ſie haben, ſo gut wie jeder Andere, und da dieſe Stellen noch vacant ſind, nun, ſo iſt es in der Ordnung und ganz natürlich, daß wir ſie einzunehmen trachten. Wir werden ſie auch einnehmen und behaupten, ſagte Fredersdorf lächelnd. Sie nannten vorhin den Kdbnig einen jungen Hercules. Nun, wodurch ward denn der Hercules gezähmt? Durch die Liebe zur Omphale, dächte ich. Nicht doch! Dadurch, daß die Omphale ihn in ein es, ſchwelgeriſches, verweichlichendes Leben hintin,


